05.12.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 17. und 18.10.2018 "Mehr Konzentration durch Bewegung - Lernen, Merken und Behalten auf unkonventionelle Art"

Trainer: Dr. Georg Kwiatkowski

Dr. Georg Kwiatkowski ist promovierter Chemiker, wandte sich 1990 jedoch hauptberuflich dem Bereich Gesundheit und Prävention zu – basierend auf der Feldenkrais-Methode. Ergänzend nutzt er seine vielfältigen Erfahrungen als Heilpraktiker. So arbeitet er ganzheitlich als Seh- und Stimmtrainer sowie als Feldenkrais-Pädagoge. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Workshops „Mehr Konzentration durch Bewegung – Lernen, Merken und Behalten auf unkonventionelle Art.“

HERR KWIATKOWSKI, GEMEINHIN HEISST ES JA, IN DER RUHE LIEGE DIE KRAFT. IHR SEMINAR TRUG NUN DEN TITEL“MEHR KONZENTRATION DURCH BEWEGUNG – LERNEN, MERKEN UND BEHALTEN AUF UNKONVENTIONELLE ART“. WAS GENAU WAR DER ANSATZ? 

In Bewegung können wir unseren Körper bewusster wahrnehmen. Wir reden hier allerdings von sanften und langsamen Bewegungen. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit, die Aufmerksamkeit wird durch Bewegung auf den eigenen Körper zentriert. So entsteht mit sanfter Bewegung relative Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Das Gedankenkarussel im Kopf wird durchbrochen, der Stresspegel von Disstress zu Eustress gesenkt. Man unterscheidet ja zwei Arten von Stress: negativen Stress (auch Disstress oder Dysstress) und positiven Stress (auch Eustress). Aus dieser Entspannung heraus kann dann Konzentrieren, Lernen und Memorieren leichter gelingen.

NOCHMAL ZURÜCK ZU IHREM TITEL, SIE SAGEN „..AUF UNKONVENTIONELLE ART..“: WIE PRAXISORIENTIERT IST DAS FÜR DEN ARBEITSALLTAG, DER JA IMMER MEHR IM GROßRAUMBÜRO UND IM MEETING STATTFINDET?

Es geht hier ja nur um kleinere Abweichungen von Bewegungen manchmal auch einfach durch Bewusstheit und Langsamkeit – sie werden vermutlich einem Gegenüber kaum auffallen und benötigen keine besondere Kleidung. Es geht also vielmehr um eine Kurzpause von maximal 30 Sekunden und ist somit am Arbeitsplatz sehr gut integrierbar.

Da der Körper diese neuen Bewegungsmuster als angenehme Erfahrung wahrnimmt, werden sie nach kurzer Zeit zur Routine. Der gewünschte Effekt der Zentrierung und der Stresstransformation kann bereits in Andeutungen wirksam werden.

DAS RENTENEINTRITTSALTER VERSCHIEBT SICH IMMER WEITER NACH HINTEN. WIE KÖNNEN WIR HIER DIE POTENTIALE VON FELDENKRAIS BIS INS HOHE ALTER NUTZEN?

Die sanften Bewegungen helfen immer wieder und immer leichter in einen zentrierten Zustand zu gelangen, so dass Lernen, Merken und Behalten deutlich effektiver werden.

Gerade mit zunehmendem Alter ist die Feldenkrais-Methode ein gutes Mittel, dem Kräfteverschleiß durch einseitige Tätigkeiten entgegen zu wirken und die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten. Darüber hinaus kann die wachsende Sensibilisierung für die eigene Körperwahrnehmung auch altersbedingte Sinneseinschränkungen ausgleichen.

19.11.2018

3. Netzwerkabend 2018 am 13.11.2018

JE KOMPLEXER DER KONTEXT, UMSO BESSER DIE INTUITION

360AKADEMIE STELLT SICH DEN POTENTIALEN DER INTUITION

Stuttgart. In Zeiten zunehmender Digitalisierung gewinnen Daten als valide Entscheidungsgrundlage immer mehr an Bedeutung, wie auch Effizienz und (Selbst-)Optimierung als Maßgaben für eine gelingende Zukunft erscheinen. Welches Potential aber hat der menschliche Faktor, der siebte Sinn – die Intuition? Laut Aussagen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin sind rund 50% der Entscheidungen in Unternehmen Bauchentscheidungen. Lassen sich Emotion und Verstand ganzheitlich verbinden? In welcher Weise kann jenseits von berechenbaren Fakten die emotionale Intelligenz in Projektarbeit und Personalführung einfließen? Diesen Fragen widmete sich der 3. Netzwerkabend: Den kurzweiligen Ausführungen des Hirnforschers Professor Martin Korte und einer interdisziplinären Gesprächsrunde im Anschluss folgten rund siebzig Gäste.

Die Vorstellung, es gäbe rationale Entscheidungen widerlegte Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig, gleich zu Beginn: „Immer lassen sich im Gehirn aktive Areale auch mit emotionalen Anteilen nachweisen.“ Intuition habe vor allen Dingen etwas mit Erfahrungswissen zu tun. Wer eine Situation erlebt, wird versuchen, Muster von bereits Bekanntem zu erkennen und so das aktuelle Geschehen einordnen, bewerten und danach handeln. Deshalb sind hier ältere Menschen klar im Vorteil. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und in komplexer werdenden Zeiten kann Intuition auch einen ganz pragmatischen Nutzen haben: So bemühen sich Softwareentwickler wie auch Architekten und Designer, die Bedienung von Programmen, die Orientierung im Raum und die Gebrauchsfähigkeit von Alltagsprodukten möglichst intuitiv, also den Verhaltens- und Wahrnehmungsgewohnheiten angepasst, zu gestalten.

EMPATHIE STÜTZT INTUTION

Nicht immer muss die intuitive Entscheidung aber richtig sein. Zu schnelle Entscheidungen etwa aus dem Affekt heraus sind ebenso fehleranfällig wie eine zu geringe Anzahl an Kriterien. Erst eine ausreichende und relevante Menge von Parametern, macht eine intuitive Entscheidung tragfähig. Je komplexer der Kontext, umso besser ist die intuitive gegenüber der rationalen Entscheidung. Ein weiterer Aspekt im Verstehen des intuitiven Entscheides sind die sogenannten Spiegelneuronen: Sie simulieren die Situation im Innern und bilden sie 1:1 ab. So haben wir die gleichen Emotionen wie unser Gegenüber. Die Empathie für den anderen beeinflusst wiederum unser Handeln.

Auch wenn es bei der Intuition um Erfahrungen und das Erkennen bekannter Muster geht, kann Intuition auch Quelle für Innovation sein − wer über ein entsprechend hohes Maß an Wissen verfügt. So hat etwa Albert Einstein seine Erkenntnisse gewonnen aus jahrelanger Forschung zeitlebens immer wieder neu miteinander kombiniert. Erst durch das Verlassen vertrauter Gefilde kam er durch Intuition zu neuem Wissen.  Dass Innovation nicht immer nachhaltig sein muss, zeigt etwa die Abkehr von der Atomkraft. Aus Chancen können durch neue Parameter eben auch Risiken werden. Auch im Kleinen erfordert intuitives Denken und Handeln im gleichen Maße auch das Etablieren einer Fehlerkultur, so Korte. Intuition erfordere Mut und Risikobereitschaft, betonte auch Christoph Hinderfeld, Vorstand DWE Weingüter Entwicklungs AG und Aufsichtsratsvorsitzender Die Zunft AG. Er ist Initiator und Betreiber der Arminiusmarkthalle in Berlin. Nach einer Pleite in jungen Jahren als Strumpffabrikant hat er die einst verwaiste Markthalle von 1891, die jahrelang keinen Investor fand, zu neuem Leben erweckt: Über 400 Stände und zahlreiche Event-Bereiche machen sie heute zu einem Anziehungspunkt der Hauptstadt über das Quartier hinaus, der auf authentische Produkte aus der Region setzt. 

AUTHENTISCHE ANSPRACHE

Revitalisierung ist auch Kernkompetenz der Beos AG, einem Entwickler und Betreiber von Gewerbeimmobilien. „Unter dem Motto ‚Weiter denken’ wollen wir Gewohntes Terrain verlassen, was Kontinuität aber nicht ausschließt,“ betonte Dr. Dominic de Vries, Beos AG Niederlassungsleiter Stuttgart und zuständig für Baden-Württemberg. „Als Unternehmen versuchen wir, Anregungen zu geben, den Blick zu Neuem zu öffnen“, berichtete Dagmar Hämmerling, Geschäftsführerin Kubus360 GmbH. Bei der Entwicklung und Bewirtschaftung im Hinblick auf Unternehmensimmobilien setzt Beos auf Objekte mit historischer Substanz, die Menschen emotional ansprechen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Kubus360 mit einer neuen Form zur Mitarbeitergewinnung: „Authentizität ist auch unser Stichwort“, berichtete Dagmar Hämmerling. Mehrere Kurzfilme für die Website will das Unternehmen aktuell potentielle Mitarbeiter auf emotionale Weise erreichen. „Der reine Informationsgehalt steht dabei bewusst hinten an“, so die studierte Controllerin, „vielmehr soll einfach die gelebte kollegiale und inspirierende Atmosphäre rüberkommen.“

12.11.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 26.07.2018 "Virtuelle Kommunikation"

Trainer: Dr. Ralf Friedrich

„WIR VERWENDEN ZWAR ALLE VIRTUELLE MEDIEN – NUTZEN ABER BEI WEITEM NICHT IHR POTENTIAL!“

Dr. Ralf Friedrich hat über 20 Jahre Erfahrung als Coach internationaler, virtueller Projekte. Sein Fokus liegt auf interaktiven Workshops und Seminaren in virtuellen Umgebungen wie etwa “live-Klassenzimmer“. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Seminars „Virtuelle Kommunikation“.

HERR DR. FRIEDRICH, DIGITALISIERUNG IST IN ALLER MUNDE. WIR KOMMUNIZIEREN BERUFLICH WIE PRIVAT IMMER MEHR VIRTUELL. WO STEHEN WIR IHRER MEINUNG NACH AKTUELL MIT DEM THEMA?

Auch über zehn Jahre nach Erfindung des Smartphones und vier Jahrzehnten Email stehen wir hierzulande immer noch in den Kinderschuhen, gerade die Immobilienwirtschaft ist hier recht konservativ. Wir verwenden zwar alle virtuelle Medien – nutzen aber bei Weitem nicht ihr Potential.

WORAN LIEGT DAS?

Virtuelle Kommunikation wird oftmals – so schnell zur Hand und komfortabel ihr Einsatz auch ist – überladen mit Informationen, Motive werden vermischt oder auf Form verzichtet. Eine Email ist eben kein Brief.

Es braucht fundierte Medienkompetenz, hier ist jeder selbst gefordert. Man kann aber lernen, mit welchem Medium ich mein Anliegen und in adäquater Weise kommunizieren kann. Dabei ist das Medium zunächst sogar zweitrangig. Es sind vielmehr strategische Überlegungen und dann erst deren Umsetzung.

Und es macht einen Unterschied, ob ich bei meinem Gegenüber eine Entscheidung herbeiführen oder für Inhalte sensibilisieren will. Hier ist es wichtig, sich seiner Rolle und seiner Ziele bewusst zu sein. Das gilt natürlich auch im analogen Kontakt. Im virtuellen Austausch braucht es aber noch mehr Einfühlungsvermögen ins Gegenüber. Da die persönlichen Parameter entfallen wie Blickkontakt oder bei einer Email auch die Stimme. Es geht also darum, mein Anliegen zunächst nach Botschaften zu filtern und gerade Texte hinsichtlich der Lesbarkeit und Ansprache klar zu strukturieren. Auch hier gilt, weniger ist mehr selbst bei der Verwendung einer Textnachricht.

HABEN SIE BEI DER DURCHFÜHRUNG DES SEMINARS UNTERSCHIEDE ZUM LETZTEN JAHR FESTGESTELLT?

Wieder waren die Teilnehmer sehr offen und neugierig. Wie im letzten Jahr haben wir dem Tagesseminar im Nachgang ein virtuelles Meeting nachgeschaltet, was erneut sehr gut ankam. Hier konnten die Teilnehmer schon einmal in der Praxis erste, positive Erfahrungen machen. Die meisten haben hier noch wenig Erfahrung. Gerade im Hinblick auf den steigenden Zeitaufwand für Mobilität – ob ins Büro oder zum Meeting – wird dies als Lösung und vielversprechende Form der Arbeitsentlastung gesehen.

03.09.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 19.07.2018 "Ihr professioneller Auftritt - Business Knigge 2.0"

Trainerin: Anke Quittschau

Anke Quittschau ist studierte Diplom-Betriebswirtin und verfügt aufgrund langjähriger Tätigkeiten in der Automobil- und Versicherungsbranche über Kompetenzen in den Bereichen Vertrieb, Kommunikation, Karriere und Auftreten. Mit diesem Wissen begleitet sie seit 15 Jahren unter ihrem Label „korrekt!“ Fach- und Führungskräfte bei ihrer Weiterentwicklung. Mit der Fachbuchautorin („Business-Knigge – die 100 wichtigsten Benimmregeln“) sprach Insa Lüdtke im Nachgang ihres Seminars „Ihr professioneller Auftritt – Business Knigge 2.0“.

FRAU QUITTSCHAU, IN ZEITEN FLACHER WERDENDER HIERARCHIEN UND EINES WACHSENDEN CREDOS „ANYTHING GOES“ – IST GUTES BENEHMEN ÜBERHAUPT NOCH WICHTIG?

Absolut, es ist ein Trugschluss, dass alles erlaubt wäre! Das ist den Menschen ja auch bewusst. Ich erlebe hier eine große Unsicherheit in allen Branchen und auch über Generationen und Hierarchiegrenzen hinweg. Deshalb hat es mir auch so gut gefallen, dass sich im Seminar diese Vielfalt der Teilnehmer widergespiegelt hat. Gerade weil immer stärker Individualität gepriesen wird, geht es letztlich um die Toleranz und Wertschätzung gegenüber dem anderen.

WIE BRINGEN SIE DEN KNIGGE-GEDANKEN AN DEN MANN BZW. AN DIE FRAU?

Es geht mir nicht um die Vermittlung eines festen Regelwerks, das wäre sicherlich nicht zeitgemäß. Vielmehr versuche ich, Sicherheit durch Orientierung zu vermitteln. Das Fundament hierfür ist ein wertschätzender Umgang im Miteinander. Es geht also eher um die Rolle und die dazu korrespondierenden Verantwortlichkeiten in einer konkreten Situation. Was hier korrekt ist, mag in einer anderen Situation als unpassend empfunden werden. Sicherlich geht es auch immer um Authentizität – man darf auch einmal seine eigene Unsicherheit im Umgang mit einer Situation äußern. Auch eine Portion Humor kann hilfreich sein. Beides verschafft einem Respekt, und darum geht es ja letztlich.

Im Seminar haben wir ganz unterschiedliche Situationen im Berufsalltag im Kontakt – ob mit Kunden oder im Projektteam – betrachtet wie etwa die Begrüßung, den Smalltalk oder auch eine gemeinsame Autofahrt.  Hierzu habe ich Impulse gegeben, und wir haben in der großen Runde etwa im Rahmen eines Quiz wie auch in Kleingruppen dazu gearbeitet.

WIE SEHEN SIE IN DIESEM ZUSAMMENHANG DIE ZUNEHMENDE ROLLE VON SOCIAL MEDIA IM BERUF?

Sie machen die Fragestellung nochmals komplexer. Unsicherheit, Missverständnisse und Konfliktpotential sind vorprogrammiert: Die neuen Kanäle kommen zwar oftmals informell daher, fordern aber dennoch Verbindlichkeit, eine gewisse Form wie auch oftmals eine unmittelbare Reaktion. Es stellt sich einem damit noch öfter die Frage, zu welchem Zeitpunkt, in welcher Form und mit welchen Details ich an mein Gegenüber herantrete – Stichwort „Work-Life-Balance“: Dies ist dann letztlich wieder eine grundsätzliche Frage der Wertschätzung gegenüber dem anderen aber natürlich auch gegenüber mir selbst.

03.09.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 05.07.2018 "Schnittstelle Objektplanung - Fachplanung: Leistungen kennen, koordinieren, integrieren - Risiken reduzieren"

Referentin: RA Elke Schmitz

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen. Einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte ist die Weiterbildung für Baubeteiligte. Hier richtet sie ebenso wie im Rahmen ihrer Beratungspraxis gerne den Blick auf interdisziplinäres Zusammenwirken und damit u. a. auf Seminarangebote zur Förderung des Fachdialogs „Technik + Recht“ oder auch auf Themen wie Verhandlungsführung, Kommunikation und Kooperation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Schnittstelle Objektplanung – Fachplanung“.

„DIE KERNFRAGE LAUTET, WIE KANN ES UNS GELINGEN KANN, OPTIMALE VERHANDLUNGSERGEBNISSE FÜR ALLE BETEILIGTEN ZU ERZIELEN!“

FRAU SCHMITZ, SCHNITTSTELLEN GEWINNEN IN DER PLANUNG UND IM BAUPROZESS AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT HIER DIE HERAUSFORDERUNGEN?

Zum einen ist es für jeden Planer unumgänglich die eigenen Leistungsinhalte zu klären und möglichst nicht auslegungsbedürftig zu vereinbaren. Hierzu gehört vor allem die Bestimmung von Grenzen der eigenen Leistungsverpflichtung und fachtechnischen Verantwortlichkeit. Zum anderen fordern funktionierende Planungsabläufe gerade wegen ihrer Komplexität mehr denn je von jedem Beteiligten den Blick über den eigenen Tellerrand. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Rechtsprechung zu wechselseitigen Prüfpflichten zwischen Objekt- und Fachplanern.

WAS HABEN DIE TEILNEHMER – VIELLEICHT AUCH IM VERGLEICH ZUM SEMINAR IM VERGANGEN JAHR – AUS DER PRAXIS EINGEBRACHT UND ZUM THEMA GEMACHT?

Vielleicht wenig erstaunlich und doch für mich augenfällig war auch dieses Mal der von den Teilnehmern artikulierte vermeintliche „Widerspruch zwischen Recht und Wirklichkeit“: Besonders deutlich wurde dies etwa beim Thema „baubegleitende Planung“ und der Frage, wie denn dann mit noch fehlenden Fachplanungsleistungen umzugehen sei und wie man sich auf der sicheren Seite bewegen könne.

Mein Eindruck war, dass die Teilnehmer durchaus mit Hilfe der dann hier aus rechtlicher Sicht entscheidenden Leitfrage „Was benötige ich, um das von mir versprochene Ziel zu erreichen?“ sowie der Möglichkeit, den Auftraggeber in punkto Lieferung von Fachplanungsleistungen vertraglich zur Mittwirkung zu verpflichten, praxistaugliche Handlungsoptionen für das Projektgeschäft mitnehmen konnten!

WO SEHEN SIE HINSICHTLICH DER KOMMUNIKATION INSGESAMT MÖGLICHLEITEN FÜR ALLE PARTEIEN, EINEN KONFLIKT PROAKTIV ZU VERMEIDEN?

Zu beobachten ist häufig, dass ganz offen oder im Stillen emotionale Faktoren sachlich orientierte Verhandlungen erheblich beeinflussen, wenn nicht sogar verhindern können. Diese Erkenntnis war für die amerikanischen Juristen Roger Fisher und William Ury der Harvard Universität Ausgangspunkt für die Entwicklung eines alternativen Verhandlungsansatzes – Anfang der 80er Jahre erstmals unter dem Titel „Getting to Yes“ – zu Deutsch „Das Harvard-Konzept“ – veröffentlicht. Seither hat sich diese Verhandlungsmethode weltweit in vielfältigen Beratungszusammenhängen erfolgreich bewährt.

Die zu beantwortende Kernfrage lautet: „Wie kann es uns gelingen, optimale Verhandlungsergebnisse für alle Beteiligten zu erzielen?“ Das Harvard-Konzept ist einfach, es beruht auf vier Grundsätzen: Am Anfang steht die Erkenntnis, dass Verhandlungspartner zu allererst Menschen sind. Die erste Regel appelliert an unsere Bereitschaft, uns mit Respekt und Aufmerksamkeit um etwaige emotionale zwischenmenschliche Belange unmittelbar zu kümmern, um auf dieser Grundlage „Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln“ zu können – dies ist der erste Grundsatz. Diese strikte Trennung ist damit Ausgangsbasis für sachbezogenes Verhandeln – wobei jedoch der Verhandlungspartner nicht als Mensch ausgeklammert wird, sondern lediglich die zwischenmenschliche Ebene aus dem konkreten Verhandlungskontext.

30.07.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 27.04.2018 "Neues Bauvertragsrecht"

Referent: RA Ulrich Eix

Ulrich Eix ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Menold Bezler. Als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht liegt seine Haupttätigkeit im privaten Baurecht, im Architekten- und Ingenieurrecht sowie in der Prozessführung. Der Referent ist Dozent an der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft im Weiterbildungsstudium „Building Information Modeling“ und Mitglied im Koordinier- ungskreis des BIM CLUSTER Baden-Württemberg e.V. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Neues Bauvertragsrecht “.

Herr Eix, Fachanwälte für Baurecht hatten sich stark gemacht für das neue Bauvertragsgesetz, das seit dem 01.01.2018 in Kraft ist. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Das stimmt, eine Gesetzesnovellierung war überfällig. Bisher gab es nur allgemeine Regelungen für die Gestaltung eines Werkvertrages. Besonderheiten von Bau- und Planerverträgen waren nicht berücksichtigt. Planen und Bauen ist ja immer wieder verbunden mit Anpassungen und Änderungen. Diese Flexibilität kannte das Gesetz bisher nicht. Jedoch sind die nun aufgestellten Regelungen für die Praxis suboptimal – um nicht zu sagen, schlecht. In Fachkreisen ist man ernüchtert.

Das Gesetz ist in der Branche ein Aufreger, es birgt vielerlei Sprengstoff! An dieser Stelle will ich nur einen Punkt zum beliebten Thema „Nachträge“ herausgreifen: Möchte der Auftraggeber anstatt dem beauftragten großen Fenster doch lieber zwei kleine und teilt er dies dem Unternehmer mit, kann er erst nach 30 Tagen diese Änderung anordnen. Wer irgendwie schon einmal mit Bauen zu tun hatte, weiß, dass das in der Praxis nicht realistisch ist. Eine Verkürzung dieser Stillhaltefrist ist AGB-rechtlich problematisch, was sinnvolle vertragliche Lösungen schwierig macht.

Welche Folgen genau befürchten Sie?
Bauen wird im Zweifel länger dauern, mehr kosten und konfliktträchtiger werden. Das kann keiner wollen! Dem Bauherrn droht eine Überzahlung, da sich neuerdings Abschlagszahlungen für Leistungsänderungen nach dem, möglicherweise überteuerten, Nachtragsangebot des Unternehmers richten. Die unglücklichen Regelungen bedeuten allgemein zunächst einmal Rechtsunsicherheit. Man muss nun sehen, wie sie gelebt werden. Zu Ihrer Frage: Ich befürchte eine Verschiebung zu Gunsten der Bauwirtschaft und zu Ungunsten des Bauherrn. Das Gesetz geht am Ziel vorbei.

Was konnten Ihre Teilnehmer in die Praxis mitnehmen?
Vielen Teilnehmern war wohl noch nicht klar, dass das Gesetz bereits gilt. Mit dem Seminar konnten sie ein erstes Gefühl für die aktuelle Rechtslage bekommen. Trotz der unterschiedlichen Interessen und Perspektiven – ob Planer, Bauherr oder Bauwirtschaft – geht es letztlich ja für alle Beteiligten um ein erfolgreiches Projekt.

04.07.2018

2. Netzwerkabend 2018 am 26.06.2018

„DAS BÜRO IST TOT. LANG LEBE DAS BÜRO!“

360AKADEMIE STELLT SICH NEUEN ARBEITSWELTEN

Stuttgart. Der 2. Netzwerkabend widmete sich den Potentialen und Herausforderungen von „Neuer Arbeit“ auch im Hinblick auf die Anforderungen an die Immobilie. Der lebendigen und zeitweise kontroversen Podiumsdiskussion folgten rund einhundert Gäste unter dem Motto „Arbeitest Du noch, oder loungst Du schon?“. Stilecht nahmen die vier Panelgäste – eine Arbeitspsychologin, eine Architektin, ein Trendscout und ein Unternehmensvertreter – auf Strandstuhl sowie Lounge-Sesseln Platz.

Aktuell gibt es 18 Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland. Angesichts technischer Möglichkeiten und der Anforderung wie auch dem Wunsch nach mehr Flexibilität bieten immer mehr Unternehmen das Arbeiten im Homeoffice an. Parallel zu diesem Trend ist die Rückbesinnung auf das Büro als identitäts- und sinnstiftender Begegnungsort zu beobachten. „In Zukunft ist immer mehr Wissensarbeit im Team gefragt“, betonte Prof. Anna Steidle. Sie ist Arbeitspsychologin und lehrt und forscht an der Hochschule Ludwigsburg.

VOM MITARBETER ZUM MENSCHEN

Vernetzung im Sinne der Digitalisierung ist damit keine nur mehr technische Frage, sie durchdringt und verändert auch wirtschaftliche Strukturen und soziale Beziehungen. Dies erfordert neue Konzepte für die Arbeitswelt im Sinne einer Wir-Kultur: „Statt um den eignen Schreibtisch gehe es vielmehr um eine inspirierende Atmosphäre und die intelligente Nutzung von Ressourcen und Raum“, erläuterte Raphael Gielgen. Er ist als Trendscout für den Büromöbelhersteller Vitra weltweit aktiv. „Menschen wollen auch in diesen modernen Zeiten Sicherheit und einen klaren Kurs, seien Sie der Kapitän!“

Im Sinne der „Neuen Arbeit“ gehe es um Gemeinschaft, Austausch und Teilen von Wissen und Erfahrungen – Technik sei dabei nur Mittel zum Zweck, ergänzte Jens Schlüter. Der studierte Bauingenieur ist international für das Facility Management bei Ebay verantwortlich: „Lebensqualität wie etwa Aspekte der Individualisierung und Entschleunigung (Work-Life-Balance) gewinnen an Bedeutung.“ Den Betrieb der Immobilie verstehe er als Basisleistung – seine Kernaufgabe sei vielmehr das Wohlergehen der Nutzer, seiner Mitarbeiter und Kollegen, in den Gebäuden. Weiche Faktoren wie eine kommunikative Atmosphäre mit informellem, wohnlichem Charakter und ergänzenden Services, die das Leben erleichtern, rücken in den Fokus im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Unternehmen begreifen ihre Mitarbeiter ganzheitlich als Menschen mit individuellen Kompetenzen und Bedürfnissen.

LEBENSLANGES LERNEN

In Zeiten schwindender Hierarchien werde auch von Mitarbeiterseite die Beteiligung an Entscheidungs- und Gestaltungsprozessen immer stärker eingefordert und gleichermaßen von Unternehmensseite ebenso erwartet. „Partizipation heißt das Stichwort“, so die Architektin und Geschäftsführerin von Kubus360, Cathrin Dietz. Hier sei jeder im Sinne der Selbstentwicklung gefordert, wobei auch die Unternehmen weiterhin Orientierung im Sinne einer Fürsorgeverantwortung hätten, stellte Gielgen heraus. Gerade im Hinblick auf die steigende Lebenserwartung gebe es keine linearen Karrieren mehr – vielmehr gehe es darum, sein Profil eigenverantwortlich und kontinuierlich aktiv selbst zu gestalten. „Die Arbeitswelt geht einher mit lebenslanges Lernen“, unterstrich Cathrin Dietz. Deshalb müssten Arbeitswelten ebenso Lernlandschaften sein, wie sie in innovativen Schulbauten Einzug halten.

13.07.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 21.06. + 22.06.201 "Erfolgsfaktor Diplomatie"

Trainerin: Carmen Kauffmann

Carmen Kauffmann ist seit 1995 selbständige Trainerin und Coach mit Schwerpunkten im Bereich Kommunikation, Rhetorik, Verhandlungstraining, Diplomatie und Frauen in Führung. Frau Kauffmann studierte Rhetorik und Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, mit ihr sprach Insa Lüdtke über ihre Eindrücke zum Seminar „Erfolgsfaktor Diplomatie – Vom diplomatischen Umgang mit unklaren Situationen“.

FRAU KAUFFMANN, DER BEGRIFF DER DIPLOMATIE KOMMT AUS DER (AUßEN-)POLITIK. WAS HAT ES DAMIT IM BERUFSLEBEN GERADE IN ZEITEN EINER STEIGENDEN BEDEUTUNG VON PROJEKT- UND TEAMARBEIT AUF SICH? 
In Projekten knallen sehr unterschiedliche Bedürfnisse, Perspektiven und Anliegen aufeinander. Außerdem stehen Unternehmen, Projekte und letztlich damit die Verantwortlichen immer mehr unter Zeit- und Kostendruck. All das ist sehr geeignet, beim Menschen Stress zu erzeugen.

Unter Stress reagieren wir typischerweise mit dem archaischen Muster-Dreiklang „Angreifen-Weglaufen-Totstellen“. All das ist weder hilfreich noch professionell. Insofern ist es von gravierender Bedeutung, sich zum einen selbst steuern zu können um zum anderen auch Gespräche und damit die Zusammenarbeit professionell, konstruktiv und lösungsorientiert zu gestalten. Das ist nicht nur eine Frage der „richtigen“ Kommunikation, sondern auch und vor allem einer professionell wertschätzenden Haltung – gegenüber allen Beteiligten und deren Anliegen.


WIE HABEN SIE SICH ZUSAMMEN MIT DEN TEILNEHMERN DEM THEMA GESTELLT? UND WAS NEHMEN DIE TEILNEHMER KONKRET MIT? 

Die TeilnehmerInnen haben ihre eigene Haltung in konkreten „schwierigen Situationen“ miteinander reflektiert. Sie haben Instrumente zur Selbststeuerung und zur diplomatischen Kommunikation gelernt und anhand eigener Praxisbeispiele durchdekliniert.

Konkret nehmen die TeilnehmerInnen (hoffentlich) mit, dass Diplomatie nichts mit nett sein zu tun hat, Sympathie völlig überbewertet wird und Selbststeuerung vor Gesprächssteuerung geht. Wir können niemandem Respekt vorheucheln – es geht vielmehr darum, Respekt aufzubringen und sich selbst in eine professionelle Haltung zu bringen. Wenn wir diese haben, können wir alle diplomatisch sein.

FRAUEN KOMMEN IM BERUFSLEBEN ZUNEHMEND IN VERANTWORTUNG. STEIGT DAMIT DIE BEDEUTUNG VON DIPLOMATISCHEM GESCHICK – AUCH FÜR MÄNNER?

„Diplomatie“ wurde ja klassisch viel mehr mit der Domäne der Politik assoziiert – und war damit auch eher eine Fähigkeit, die man – vor allem beruflich – mit Männern in Verbindung gebracht hat. Im Privaten hat man dazu prototypisch eher die Frauen in die Pflicht genommen. Ich vermute durchaus, dass die Fähigkeit, diplomatisch – das heißt für mich radikal wertschätzend – mit Unterschiedlichkeit umzugehen, in unserer Zeit zunimmt. Das hängt mit dem Verständnis von „Diversity“ in allen Facetten zusammen: also nicht nur im Sinne anderer Geschlechterverhältnisse in verantwortlichen Positionen, sondern auch letztlich für die Auswirkungen der Globalisierung. Ich bin da ganz positiv, wir können schon heute bei den jüngeren Generationen ein radikal anderes Wertesystem beobachten.

21.05.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 22.02.2018: BIM - Einführung im eigenen Unternehmen

„BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen!“

Referent: Prof. Rasso Steinmann

Prof. Rasso Steinmann lehrt und forscht an der Hochschule München im Fachgebiet Bauinformatik. Seine Erfahrungen bauen auf zehn Jahren Softwareentwicklung in der Industrie (3D-CAD, Expertensysteme, Facility Management, BIM-Plattformen) auf – gefolgt von über 20 Jahren Lehre, Forschung, Standardisierung und Beratung. Er ist Fachautor und regelmäßig Referent bei Konferenzen und im Bereich der Weiterbildung. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Einführung BIM (Building Information Modeling) im eigenen Unternehmen“.

HERR PROFESSOR STEINMANN, WO HABEN SIE DIE TEILNEHMER HINSICHTLICH BIM ABGEHOLT?

Zunächst kann ich sagen, dass alle ein großes Interesse am Thema mitgebracht haben. Auf Grund der unterschiedlichen Aufgabengebiete brachten sie naturgemäß unterschiedliche Voraussetzungen mit. So stecken einige schon tief im Thema drin, andere wollten sich erst einmal orientieren.

WIE SIND SIE DANN AN DAS THEMA HERANGEGANGEN?

Die gemeinsame Ausgangsbasis war natürlich BIM. Wobei ich versucht habe, es nicht als IT-Thema zu vermitteln. Es sollte also nicht um Datenformate und Tools gehen, sondern wir haben uns mit den strategischen Fragen beschäftigt. Bei BIM geht es vielmehr um den Umgang mit zusätzlichen Informationen wie etwa für Materialanforderungen, Wärmebedarfsrechnungen oder Schallschutz – nicht zu vergessen die Mängelbeseitigung.

Die Frage ist, wer kann welche Informationen zu welchem Zeitpunkt beitragen? Es geht also zunächst um neue Spielregeln bei der Weitergabe von Daten gerade im Zusammenspiel zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Das ist noch nicht alles zur Gänze geklärt. BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen – ich sehe das als Chance. Heute verteilt mancher Projektleiter die Informationen nach Gusto, eine Plattform macht diese Funktion in Zukunft obsolet.

WAS BEDEUTET DAS FÜR UNTERNEHMEN – AUF BAUHERRN- UND AUF PLANERSEITE?

In jedem Fall ist es wichtig, Strukturen wie etwa Vorlagen zu etablieren, sonst läuft man Gefahr, in alte Vorgehensweisen zurückfallen. Wie man dies umsetzt, hängt in erster Linie von der Unternehmensgröße ab: Ab 50 Mitarbeitern aufwärts braucht es einen internen BIM-Beauftragten, bei kleinen Unternehmen kann das in Personalunion mit anderen Verantwortlichkeiten geschehen, eine externe Einführung und kontinuierliche Begleitung kann hilfreich sein.

Bauherren und deren Vertreter müssen sich damit auseinandersetzen, wann sie welche Informationen in Form von Daten benötigen. Planer müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie die Informationen digital zur Verfügung stellen können - das alles natürlich nicht als Selbstzweck, sondern unter der Maßgabe, die Produktivität und Qualität für alle Beteiligten zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang sei noch auf ein grundsätzliches Problem hingewiesen: Die Baubranche leidet unter massivem Fachkräftemangel. Gleichzeitig kommen vermehrt Menschen der geburtenstarken Jahrgänge in das Ruhestandsalter. Die Baufakultäten an den Universitäten und Hochschulen sind am obersten Limit ihrer Kapazitätsgrenzen. Es werden also auf absehbare Zeit nicht mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt kommen als heute. Ich sehe in dieser Situation nur drei Wege, wie das gelöst werden kann: Entweder wir werben Fachkräfte aus dem Ausland an, oder ausländische Unternehmen drängen zunehmend in den deutschen Markt, oder wir erhöhen erheblich die Produktivität im Bauwesen. BIM als wichtige Komponente der Digitalisierung im Bauwesen liefert eine Chance, die Produktivität zu erhöhen.

WIE KANN AUS IHRER SICHT DANN DER ÜBERGANG HIN ZU BIM GELINGEN?

Hierfür braucht es eine Keimzelle des Übergangs: Idealerweise lässt sich der Wandel hin zu BIM an einem Pilotprojekt, das gleichzeitig parallel in der alten und der neuen Welt durchgeführt wird, für alle am anschaulichsten vollziehen. Man kann schließlich die Praxis nicht 1:1 aus der Theorie denken. Die Nordischen Länder sind uns hier um einiges voraus. Deutschland muss aufholen, die gemütliche Zeit ist vorbei! Ich sehe auch das aber optimistisch: Denn Datenaustausch mit BIM in Zukunft wird so unkompliziert wie ein Facebook-Chat.

15.03.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 01.+02.02.2018: Führung und Kommunikation im Team

„FÜHREN KANN MAN GANZ PRAKTISCH LERNEN – ERFAHRUNGEN SAMMELN UND MITEINANDER REFLEKTIEREN!“

Trainerin: Dipl.-Psych. Laura Schwan

Laura Schwan ist Psychologin und auch als Trainerin, Coach und Beraterin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die professionelle Begleitung von Führungskräften unterschiedlicher Hierarchiestufen durch maßgeschneiderte Trainings und Coachings. Mit ihr sprach Insa Lüdtke im Nachgang ihres Seminars „Führung und Kommunikation im Team“.

FRAU SCHWAN, WIE KANN MAN FÜHREN LERNEN?
Zunächst einmal ist es wichtig, das Thema als Thema zu erkennen und sich – neben dem Tagesgeschäft – wirklich Zeit zu nehmen. Dann geht es darum, eigene praktische Erfahrungen in Führungssituationen zu sammeln. Ich lasse die Teilnehmer nach kurzen theoretischen Impulsen Erfahrungen machen und diese dann gemeinsam reflektieren. Da bin ich dann eigentlich nur die Moderatorin, das Wissen und die Kompetenz sind oftmals vorhanden.

Eine Teilnehmerin kam am Ende der beiden Tage auf mich zu und war erleichtert, dass wir nicht so viel Theorie gemacht haben – also etwa schon wieder das Eisbergmodell analysiert haben, sondern ganz praktische Übungen gemacht haben und diese im Rahmen der kollegialen Beratung ihre Erfahrungen miteinander reflektieren konnten.

WAS WAREN DAS FÜR ERFAHRUNGEN?
In der einen Übung musste das Team gemeinsam eine Aufgabe lösen, dabei waren einigen Kollegen die Augen verbunden. Hier ging es also auch um eine klare Kommunikation, Motivation und Vertrauen. Ein weiterer Aspekt war die Wertschätzung von Diversität im Team. Das ist immer wieder ein Thema, als Führungskraft sein Team mit Menschen mit unterschiedlichen Qualitäten aufzubauen. Im Rahmen eines Selbsttests konnten die Teilnehmer herausfinden, welche Persönlichkeitspräferenzen sie haben und somit eine Art „Standortbestimmung“ durchführen. Im Tagesgeschäft stellt sich die Frage des Fokus: sind wir eher an der schnellen Aufgabenerledigung interessiert, oder ist uns der Austausch mit den Kollegen besonders wichtig? Agieren wir eher zurückhaltend beobachtend oder proaktiv extrovertiert?

WAS KÖNNEN DIE TEILNEHMER MITNEHMEN INS TAGESGESCHÄFT?
Sie waren sehr offen und verfügen bereits über gute Führungskompetenzen. Die kollegiale Fallberatung ist, denke ich, ein effektives Mittel, im Alltag auf kurzem Wege professionell die eigenen Erfahrungen zu teilen und vom persönlichen Austausch zu profitieren. Hierzu reicht es, sich mit einigen Personen zusammenzusetzen und in fünf Schritten sich durch die Thematik zu arbeiten.

Führen ist eine lebendige Angelegenheit. Oftmals gibt es ja auch kein „richtig oder falsch“ – im Gegenteil: Eine Führungskraft sollte den Mut und das Vertrauen haben, Fehler zu machen und daraus situativ zu lernen. Es geht ja nicht mehr um Hierarchien. Eine Führungskraft muss heute nicht mehr stark und unfehlbar sein – im Gegenteil, wer nahbar ist, zeigt Stärke.

08.02.2018

Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 am 30.01.2018

„Im besten Fall kann man nur gewinnen!“

360AKADEMIE BEGRÜßT ZUM NEUEN JAHR ZUM THEMA HUMOR

Stuttgart. Zum Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 hatte die 360Akademie zum Thema „Humor“ eingeladen. Rund einhundert Gäste folgten den Ausführungen von Rainer Schmidt. Der Pfarrer, Buchautor, Sportler (Gold bei Paralympics) und Kabarettist wurde ohne Unterarme und Hände geboren. Humor ist (s)eine Haltung, dem Leben und anderen Menschen zu begegnen – Unsicherheit zu nehmen und Nähe zu schaffen.

HUMOR SCHAFFT NÄHE

Der verbindenden Komponente von Humor in der Beziehung von Mensch zu Mensch ging Rainer Schmidt in seinem unterhaltsamen und zugleich feingeistigen kabarettistischen Vortrag auf den Grund. Immer wieder demonstrierte er, wie man Humor bewusst und gekonnt einsetzen kann. Dabei gehe es nicht darum, einfach witzig zu sein. Vielmehr sollte man sich an sein Gegenüber und dessen Verständnis von Humor Schritt für Schritt vorsichtig herantasten. Erst wenn eine humorvolle Anspielung mit einem Lachen oder einer heiteren Reaktion beantwortet worden sei, dürfe man die Dosis erhöhen und mit mehr Schärfe im Witz nachlegen. Als Gegengewicht zur Leichtigkeit braucht Humor das Drama, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Eine humorvolle Wendung löst es wieder auf, denn Lachen und Humor brauchen die Überraschung.

MUT UND PRÄSENZ

Humor geht an oder auch mal über die Grenze, ist aber nicht grenzenlos. Im Gegenteil muss wer Humor hat, auch seine und die Grenzen seines Gegenübers kennen – so darf Humor nicht verletzen. Schmidt spricht aus Erfahrung und berichtete immer wieder von selbst erlebten Episoden im Hinblick auf seine Behinderung. Letztlich gehe es bei der ganzen Inklusionsdebatte um Normalität in der Vielfalt. Wer, so fragte er das Publikum, könne wie er nicht Klavier spielen – rund 80 Prozent hoben die Hand.

Wer Humor einsetzt, braucht jedoch im ersten Schritt eine Portion Mut, da Humor auch immer das Risiko beinhaltet, den Bogen beim Gegenüber womöglich zu überspannen oder einfach missverstanden zu werden: Im besten Fall aber kann man nur gewinnen“, weiß Schmidt, „wer Humor in eine Situation bringt, schafft Präsenz und wird als Mensch sichtbar.“

08.02.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 16.11.2017: Umgang mit Komplexität - Strategien entwickeln für die Praxis im Team und am Arbeitsplatz

„MIT KOMPLEXITÄT LEBEN LERNEN!“

Trainer: Jakob Ritzkat

Jakob Ritzkat ist Psychologe, Organisationsentwickler, Trainer und Sustainable Impact Entrepreneur. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Umgang mit Komplexität – Strategien entwickeln für die Praxis im Team und am Arbeitsplatz“.

HERR RITZKAT, SIE SIND ALS REFERENT KURZFRISTIG FÜR IHREN ERKRANKTEN KOLLEGEN, JONAS GEIßLER, EINGESPRUNGEN. WAS BEDEUTETE DAS FÜR SIE IM HINBLICK AUF DAS THEMA „UMGEHEN MIT KOMPLEXITÄT“?
Bei der Vorbereitung ging es mir ein Stück weit darum, in mich hineinzuhören, wo der Bedarf sein könnte, und was ich dazu anbieten kann. Zum anderen habe ich ganz pragmatisch abgewogen, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen wie die Zeit zur Vorbereitung und auch die Zeit im Sinne der Dauer der Veranstaltung zusammenkommen können. Hier ging es im besten Sinne um Eindampfen von Inhalten und gleichzeitig darum, eine Fülle an Materialien in Petto zu haben.

KOMPLEXITÄT ALSO IN ZWEI RICHTUNGEN – FOKUSSIEREN UND GLEICHZEITIG OFFEN BLEIBEN. IST DAS NICHT EIN EIERTANZ UND SCHAFFT EHER VERUNSICHERUNG?
Sie sagen es: Komplexität verunsichert uns. Eindeutige Erklärungen und Lösungen erscheinen in unserer globalisierten, digitalisierten Zeit aber immer schwieriger: Alles hängt mit allem zusammen. Wir Menschen wünschen uns einfach Antworten. Doch wenn wir ehrlich sind, gibt es diese schon heute und wird es diese erst recht in Zukunft nicht geben.

Was also tun? Wir können unsere eigene Komplexität erhöhen. Denn dann können wir wiederum Wahlmöglichleiten schaffen, aus denen wir dann im Moment Lösungen oder Wege auswählen können. Es geht also um zwei Kernkompetenzen: eine Situation sehr genau wahrnehmen und jederzeit skalieren können – ob inhaltlich oder von einer zur anderen Ebene im Sinne von Ernst zu humorvoll, theoretisch zu praktisch umschalten. Kurz: Komplexität braucht Beweglichkeit nach innen und nach außen.

WAS BRAUCHE ICH DAZU, DAMIT DAS OHNE KRAFTAUFWAND GELEINGT?
Es geht letztlich um iterative Kommunikation. Das bedeutet, dass ich mich stets im Dialog mit mir und mit meiner Umgebung verstehe. Es geht nicht darum eine perfekte, sondern die richtige Lösung zu finden. Es geht nicht darum, meine Meinung durchzusetzen oder mein Wissen unter Beweis zu stellen – sondern mich am Austausch lebendig zu beteiligen. Der Reiz an Komplexität ist ja nicht nur die ihr innewohnende Unüberschaubarkeit. Es zeigen sich ja auch „Short-Cuts“, sie offenbaren sich im Kontakt mit Menschen, im besten Fall wenn sie aus anderen Disziplinen kommen und so ihre Welt, ihr Wissen, ihr Denken miteinbringen.

APROPOS, WIE HABEN SIE DAS THEMA AN DIE MENSCHEN, AN DIE TEILNHEMER GEBRACHT?
Um die Auswirkungen von Komplexität im Teamkontext auch praktisch erlebbar zu machen, wurde die Theorie durch verschiedene gruppendynamische Übungen ergänzt, in denen die Teilnehmer Selbstorganisationsprinzipien und Rollenübernahme im Kontext von Führung und Geführten erfahren und reflektiert haben.

Neben theoretischen Impulsen zum Thema von meiner Seite haben sie in kleinen Gruppen ihre Erkenntnisse im Sinne der kollegialen Fallberatung diskutiert. So konnten sie schon einmal ganz konkret die Erfahrung teilen, dass durch verschiedene Meinungen zunächst die Komplexität steigt, bevor Klarheit entstehen kann. Es kann also nicht darum gehen, Komplexität zu bewältigen. Es geht darum, mit ihr leben zu lernen!

22.12.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 09.11.2017 "Führen, Planen und Gestalten im innovativen Facility Management"

„FM MUSS SICH DIE NUTZERBRILLE AUFSETZEN!“

Referent: Dipl.-Ing./BA Jens Schlüter

Jens Schlüter ist Bauingenieur und Bachelor FM und seit über zehn Jahren Leiter Facility Operations bei eBay – über viele Jahre für den Europäischen Raum und seit 2016 für eBay International. Daneben ist er regelmäßig Referent bei Kongressen und Lehrbeauftragter an der FH Münster und der Hochschule für Technik (HTW) Berlin. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Führen, Planen und Gestalten im innovativen Facility Management“.

HERR SCHLÜTER, WIE VERSTEHEN SIE DIE ROLLE VOM FACITLITY MANAGEMENT?
FM sollte heute sehr weitreichend betrachtet und strategisch im Sinne der Unternehmenspositionierung ganz oben aufgehängt sein. Dafür müssen sich nicht nur Architekten, sondern ebenso frühzeitig zu Beginn der Planung auch FM-Experten die Nutzerbrille aufsetzen! In Zeiten von Personalmangel steigt die Bedeutung von Mitarbeitergewinnung wie auch, gute Leute zu halten.

So geht es gerade bei Gewerbeimmobilien darum, sich ernsthaft mit den ganz unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer zu beschäftigen. FM betrachten wir nicht nur technisch im Hinblick auf Raumklima und Infrastruktur sondern auch prozessorientiert und atmosphärisch: Ein Concierge-Service etwa kann Mitarbeitern während ihrer Arbeitszeit notwendigen Erledigungen abnehmen, um so zum einen die Unternehmensqualität zu verbessern aber auch aktiv eine positive Work-Life-Balance zu erreichen.

WIE SAH DIE BESCHÄFTIGUNG MIT DIESEM MIND-SET FÜR DIE TEILNEHMER AUS?
Ich habe den Teilnehmern die Bandbreite von verschiedenen Arten des FM erläutert und anhand von Beispielen belegt wie auch die breite Palette von Services, die FM für Mitarbeiter erbringen kann, vorgestellt.

Letztlich muss jedes Unternehmen entscheiden, welche Themen es anbieten will, das hängt stark von Unternehmenskultur und den Wertevorstellungen ab. Um die architektonische Integration in das FM zu diskutieren, hatte ich Pläne von einem eher repräsentativen, komplexen Bürogebäude mitgebracht. In kleinen Gruppen sollten die Teams verschiedene Parameter der Immobilie im Sinne einer Wertschöpfungskette analysieren und für die Potentiale und Risiken Lösungsvorschläge entwickeln, die wir dann im Plenum diskutiert haben.

APROPOS, WIE SEHEN ARBEITSWELTEN BEI EBAY AUS?
Hier geht es immer mehr darum, Orte für Kommunikation und Inspiration, ebenso wie Orte für Rückzug und Konzentration zu schaffen. Der ganze Mensch und seine individuellen Bedürfnisse im Rahmen der Arbeit und deren Methoden stehen dabei im Zentrum.

Es geht darum, den Arbeitsplatz für den Moment so zur Verfügung zu stellen, wie es der Mitarbeiter benötigt: Das klassische Bürogebäude bzw. der Schreibtisch ist dabei nur ein Baustein, aber auch das Sofa, die Coffee-Bar oder der Lounge Sessel können ebenso Arbeitsplätze sein. Es geht darum, ad-hoc Meetings zu ermöglichen und Kommunikation in Ideen umzuwandeln. Wir machen regelmäßig Befragungen zum Thema „Work-Life-Balance“ und steuern Entscheidungen über Services mit direkten Befragungen zu bestimmten Themen, so auch über unsere eigenen Gebäude- und Unternehmensgrenzen hinaus wie etwa zu „mobility services“.

21.11.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 12.10.2017 "Gebäudeautomation im Kontext der "Digitalisierung der Energiewende" - oder wie schließe ich ein Smart Building an das Smart Grid an?"

„INTEGRIERTE PLANUNG IST DIE ZUKUNFT!“

Referent: Prof. Dr. Peter Fischer

Prof. Dr. Peter Fischer lehrte an der FH Dortmund „Informations- und Kommunikationstechnik“. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er seit Beginn der Standardisierung Mitglied in verschiedenen Normengremien, die sich mit der Kommunikation in der Gebäudeautomation befassen. Mit dem Elektrotechniker und Informationstechniker sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Gebäudeautomatisation im Kontext der Digitalisierung der Energiewende – oder wie schließe ich ein Smart Building an das Smart Grid an?“

HERR PROF. FISCHER, WO STEHEN WIR IM HINBLICK AUF SMART GRID?
Was die Energieeffizienz von Gebäuden angeht, sind wir ganz weit vorne – an unseren Standards orientiert sich die EU. Was Smart Grid angeht, spielen wir im Vergleich zu anderen Ländern auch hier in Europa bisher nur eine geringe Rolle, hier werden noch keine Erträge generiert. Es geht aber auch hierzulande in Richtung bedarfsgerechte Energieversorgung – wir müssen die Politik mitnehmen hin zu einer darauf ausgelegten Infrastruktur.

WAS KONNTEN SIE DEN TEILNEHMERN DENNOCH AUF DEN WEG GEBEN?
Das Seminar diente zunächst einmal dem Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer waren sehr offen und interessiert! Smart Grid ist für die Zukunft der Gebäudeautomatisation ein wichtiger Faktor. Gebäude sind für das Smart Grid Energieverbraucher, Energieerzeuger und -einspeiser wie Photovoltaik und Energiespeicher wie Kühlhäuser.

SIND WIR HIERZULANDE IMMER NOCH HINTEN AN?
Sicher ist, die Gebäudeautomation und das Fachwissen darum wird gerade im Hinblick auf BIM in nächster Zeit auch in Deutschland noch mehr an Bedeutung gewinnen! Es geht um integrale Planung, zum gleichen Zeitpunkt werden alle Gewerke ausgeschrieben. Eine Kommunikation mit dem Energieversorger dagegen findet in Deutschland aber praktisch nicht statt.

DAS KLINGT NICHT GERADE ERMUTIGEND.
So sehe ich das gar nicht. In diesem Feld ist die Zukunft gerade für Planer eine Herausforderung. Es geht zunächst um mehr Kommunikation zwischen allen Beteiligten: Was ist das für eine Steckdose, und wo genau soll sie hinkommen, und welche Funktion soll sie ausführen etwa Zeitschaltprogramm? Es geht doch grundsätzlich darum, Dinge erst einmal in Frage zu stellen und die Antworten zusammenzuführen.

21.11.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 28.09.2017 "Schnittstelle Objektplanung - Fachplanung"

„DIE MASCHINE KANN NUR SO GUT SEIN WIE IHR MEISTER!“

Referentin: RA Elke Schmitz

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen, wobei einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte die Weiterbildung Baubeteiligter ist. Hier richtet sie - ebenso wie im Rahmen ihrer Beratungspraxis – gerne den Blick auf interdisziplinäres Zusammenwirken - und damit u.a. auf Seminarangebote zur Förderung des Fachdialogs „Technik + Recht“ oder auch Themen wie Verhandlungsführung, Kommunikation und Kooperation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Schnittstelle Objektplanung – Fachplanung“.

FRAU SCHMITZ, IN ZEITEN KOMPLEXER WERDENDER PROJEKTE KOMMEN IMMER MEHR AKTEURE AN BORD – SCHNITTSTELLEN GEWINNEN AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT HIER DIE HERAUSFORDERUNGEN?
Zum einen ist es für jeden Planer unumgänglich die eigenen Leistungsinhalte zu klären und möglichst nicht auslegungsbedürftig zu vereinbaren. Hierzu gehört vor allem die Bestimmung von Grenzen der eigenen Leistungsverpflichtung und fachtechnischen Verantwortlichkeit. Zum anderen fordern funktionierende Planungsabläufe gerade wegen ihrer Komplexität mehr denn je von jedem Beteiligten den Blick über den eigenen Tellerrand. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Rechtsprechung zu wechselseitigen Prüfpflichten zwischen Objekt- und Fachplanern.

WAS HABEN DIE TEILNEHMER AUS DER PRAXIS EINGEBRACHT UND ZUM THEMA GEMACHT?
Im Seminar wurden zahlreiche Beispiele und Fragestellungen aus dem alltäglichen Projektgeschäft eingebracht – diese führten in Auseinandersetzung mit der rechtlichen Perspektive zu mitunter kontroversen Diskussionen. Beispielsweise wurde in mehrfacher Hinsicht thematisiert, dass tatsächliche Planungsabläufe auf den ersten Blick unvereinbar erscheinen mit rechtlichen Anforderungen – so etwa die Frage, ob und in welcher Detailliertheit der Objektplaner im Rahmen seiner Koordinationspflichten dem TGA-Planer klare terminlichen Vorgaben zur Planlieferung machen kann oder sogar zu machen hat. Deutlich wurde gerade bei Diskussionen rund um die Beispiele aus der Praxis der Teilnehmer: Planungssicherheit bedeutet Rechtssicherheit.

GIBT ES NOCH WEITERE MÖGLICHKEITEN RECHTSSICHER MIT ETWAIGEN SCHNITTSTELLENRISIKEN UMZUGEHEN?
Aus Sicht von Planern kann es vorteilhaft sein „Leistungen aus einer Hand“ anzubieten, was wiederum mit dem ohnehin häufig bestehenden Bedürfnis von Auftraggebern korrespondiert, einen einzigen verantwortlichen Vertragspartner zu haben. Denkbar ist hier sowohl die Vertragsform Generalplanung mit Unterbeauftragung ebenso wie eine Generalplaner-ARGE – zumeist in der Rechtsform der GbR. Das Thema Schnittstellenrisiken wird bei beiden Konstellationen in das Innenverhältnis der beteiligten Planer verlagert. Insbesondere die Generalplaner-ARGE bietet Potenziale Schnittstellenrisiken projektbezogen in gesellschaftsvertraglichen Regelungen aufzugreifen. Aber dies wäre ein anderes (Seminar-)Thema…

GERADE IM HINBLICK AUF BIM GIBT ES DIE PROGNOSE, DASS SICH VERANTWORTLICHKEITEN UND DAMIT AUCH DIE ROLLEN IM PROJKEKT – OB ARCHITEKT ODER FACHPLANER – IN ZUKUNFT HIN ZU INTERDISZIPLINÄREN TEAMS WANDELN WERDEN. ERÜBRIGEN SICH DAMIT SCHNITTSTELLEN ODER ENTSTEHEN WOANDERS NEUE? WIE KANN MAN SICH AUS IHRER SICHT AUF DIESE ENTWICKLUNG EINSTELLEN?

Auch hier gilt wohl: Chancen und Risiken im Blick haben! Chancen werden darin gesehen, dass dieses Instrument das fördert, was so häufig vermisst wird: lückenlose transparente Planungsprozesse mit dem Ziel maximaler Erschließung von (Kosten-)Optimierungspotenzialen. BIM legt die Annahme zugrunde, dass die Planung vor Baubeginn fertig ist. Damit dies gelingt, ist interdisziplinäres Zusammenwirken von Beginn an faktisch systembedingt zwingend erforderlich.

Insoweit fordert und fördert BIM den gezielten Umgang mit Schnittstellen, denn diese müssen in sogenannten Abwicklungsplänen hinterlegt werden. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Die bekannten Schnittstellen dürften bleiben, etwaige Schnittstellenrisiken können dank Transparenz und frühzeitiger Definition reduziert werden – ob „neue“ hinzukommen ist aus meiner Sicht noch nicht absehbar. Ob wir am Ende „nur“ die Summe der einzelnen Teile haben, bleibt abzuwarten. Mein Fazit: die Maschine kann nur so gut sein wie ihr Meister. Und: Am Ende sollte bedacht werden, welches Maß an Standardisierung für unsere Baukultur verträglich ist.

30.10.2017

3. Netzwerkabend am 17.10.2017

Gibt es Weinberge in der Smart City? Leben und Mobilität in der Stadt von morgen

3. NETZWERKABEND DER 360AKADEMIE DISKUTIERT ÜBER MOBILITÄT IN DER STADT DER ZUKUNFT

STAUNENDE AM STAUENDE!

Stuttgart. Als „Staunende am Stauende“ führte das Galli Businesstheater kürzlich bei der 360Akademie mit seiner Improvisation den 3. Netzwerkabend dieses Jahres ein: Zwischen Taxifahrer und Fahrgästen entpuppt sich ein kontroverses Streitgespräch im Sinne: Mobilität kommt allerorten zum Erliegen, Veränderung ist gefragt – aber bitte ohne mich!

Diese Haltung bestätigen auch Umfragen: Nur 18% der Menschen in Deutschland nutzen öffentliche Verkehrsmittel (dpa) – Verspätungen, fehlender Komfort und zu hohe Kosten werden als Gründe genannt. Auch gegenüber Elektroautos gibt es Vorbehalte wie mangelnde Reichweite oder schlechte Ladeinfrastruktur. Gegen Carsharing spricht für viele die Unsicherheit über die Verfügbarkeit. Dem autonomen Fahren stehen laut Befragung der Bertelsmann-Stiftung rund zwei Drittel der Befragten misstrauisch gegenüber. Mobilität heißt für die meisten, anzukommen ohne aber unterwegs zu sein.

GANZHEITLICHES ZUKUNFTSBILD

Neue Mobilitätskonzepte gewinnen auch für die Immobilienwirtschaft an Bedeutung gerade im Hinblick auf ihr Mantra „Lage, Lage, Lage“. In Zeiten steigender Verkehrsdichte und zunehmender Klimadiskussion kann sich keine Branche dem Thema Mobilität entziehen. „Statt abstrakte Untersuchungen zu studieren, lassen sich mit einem Zukunftsbild im Sinne einer ganzheitlichen und lebensweltlichen Darstellung verschiedene Aspekte konkret veranschaulichen, die sonst häufig eher getrennt voneinander betrachtet werden,“ erklärte Bettina Ludolf. Sie ist Zukunfts- und Trendforscherin bei der Daimler AG und stellte mit ihrem Impulsvortrag den rund 100 Gästen die „Vision Stuttgart 2036“ vor. Diese wurde von der Daimler Zukunftsforschung konzipiert und von der Agentur für Architekturvisualisierung XOIO in Berlin realisiert.

„Dabei knüpfen wir im Hier und Jetzt an, Bewährtes soll auch bleiben: In der Smart City soll es etwa weiterhin auch Weinberge geben,“ so Ludolf, „mit der Vision 2036 stellen wir mit dem Olgaeck bewusst eine reale Situation der Stuttgarter Innenstadt in die Zukunft weitergedacht dar.“ Neben der Fahrbahn befindet sich auf dem breiten Grünstreifen ein gut besuchter Spielplatz – Elektroautos gleiten leise vorbei. Fußgänger haben jederzeit Vorfahrt, E-Fahrzeige projizieren automatisch Zebrastreifen auf die Fahrbahn. Drohnen transportieren Pakete zu im Boden versenkbaren Packstationen, eine Seilbahn erweitert das ÖPNV-Angebot. Auf den Dächern und an den Fassaden der umliegenden Gebäude zeigen sich Konzepte von Urban Gardening und lokaler Produktion.

LUST AUF PERSPEKTIVWECHSEL

Wie die teils kontroversen Rückmeldungen aus dem Publikum aufzeigten, kann ein solches Zukunftsbild eine erste Diskussionsgrundlage über Wunsch und Wirklichkeit sein. Ludolfs Arbeit zielt nicht auf Außendarstellung. Im Rahmen eines interdisziplinären Teams erarbeitet sie Zukunftsszenarien und Impulse für zukünftige Mobilitätssysteme und Fahrzeugkonzepte gerade für den frühen Innovationsprozess, um nach den eigenen Mitarbeitern in der Produktentwicklung Lust auf einen Perspektivwechsel und die Gestaltung der Zukunft zu machen. So ist die studierte Literaturwissenschaftlerin selbst gern in Städten unterwegs – am liebsten mit dem Fahrrad.