21.05.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 22.02.2018: BIM - Einführung im eigenen Unternehmen

„BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen!“

Referent: Prof. Rasso Steinmann

Prof. Rasso Steinmann lehrt und forscht an der Hochschule München im Fachgebiet Bauinformatik. Seine Erfahrungen bauen auf zehn Jahren Softwareentwicklung in der Industrie (3D-CAD, Expertensysteme, Facility Management, BIM-Plattformen) auf – gefolgt von über 20 Jahren Lehre, Forschung, Standardisierung und Beratung. Er ist Fachautor und regelmäßig Referent bei Konferenzen und im Bereich der Weiterbildung. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Einführung BIM (Building Information Modeling) im eigenen Unternehmen“.

HERR PROFESSOR STEINMANN, WO HABEN SIE DIE TEILNEHMER HINSICHTLICH BIM ABGEHOLT?

Zunächst kann ich sagen, dass alle ein großes Interesse am Thema mitgebracht haben. Auf Grund der unterschiedlichen Aufgabengebiete brachten sie naturgemäß unterschiedliche Voraussetzungen mit. So stecken einige schon tief im Thema drin, andere wollten sich erst einmal orientieren.

WIE SIND SIE DANN AN DAS THEMA HERANGEGANGEN?

Die gemeinsame Ausgangsbasis war natürlich BIM. Wobei ich versucht habe, es nicht als IT-Thema zu vermitteln. Es sollte also nicht um Datenformate und Tools gehen, sondern wir haben uns mit den strategischen Fragen beschäftigt. Bei BIM geht es vielmehr um den Umgang mit zusätzlichen Informationen wie etwa für Materialanforderungen, Wärmebedarfsrechnungen oder Schallschutz – nicht zu vergessen die Mängelbeseitigung.

Die Frage ist, wer kann welche Informationen zu welchem Zeitpunkt beitragen? Es geht also zunächst um neue Spielregeln bei der Weitergabe von Daten gerade im Zusammenspiel zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Das ist noch nicht alles zur Gänze geklärt. BIM bringt Bewegung in die Kompetenzen – ich sehe das als Chance. Heute verteilt mancher Projektleiter die Informationen nach Gusto, eine Plattform macht diese Funktion in Zukunft obsolet.

WAS BEDEUTET DAS FÜR UNTERNEHMEN – AUF BAUHERRN- UND AUF PLANERSEITE?

In jedem Fall ist es wichtig, Strukturen wie etwa Vorlagen zu etablieren, sonst läuft man Gefahr, in alte Vorgehensweisen zurückfallen. Wie man dies umsetzt, hängt in erster Linie von der Unternehmensgröße ab: Ab 50 Mitarbeitern aufwärts braucht es einen internen BIM-Beauftragten, bei kleinen Unternehmen kann das in Personalunion mit anderen Verantwortlichkeiten geschehen, eine externe Einführung und kontinuierliche Begleitung kann hilfreich sein.

Bauherren und deren Vertreter müssen sich damit auseinandersetzen, wann sie welche Informationen in Form von Daten benötigen. Planer müssen sich damit auseinandersetzen, wie sie die Informationen digital zur Verfügung stellen können - das alles natürlich nicht als Selbstzweck, sondern unter der Maßgabe, die Produktivität und Qualität für alle Beteiligten zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang sei noch auf ein grundsätzliches Problem hingewiesen: Die Baubranche leidet unter massivem Fachkräftemangel. Gleichzeitig kommen vermehrt Menschen der geburtenstarken Jahrgänge in das Ruhestandsalter. Die Baufakultäten an den Universitäten und Hochschulen sind am obersten Limit ihrer Kapazitätsgrenzen. Es werden also auf absehbare Zeit nicht mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt kommen als heute. Ich sehe in dieser Situation nur drei Wege, wie das gelöst werden kann: Entweder wir werben Fachkräfte aus dem Ausland an, oder ausländische Unternehmen drängen zunehmend in den deutschen Markt, oder wir erhöhen erheblich die Produktivität im Bauwesen. BIM als wichtige Komponente der Digitalisierung im Bauwesen liefert eine Chance, die Produktivität zu erhöhen.

WIE KANN AUS IHRER SICHT DANN DER ÜBERGANG HIN ZU BIM GELINGEN?

Hierfür braucht es eine Keimzelle des Übergangs: Idealerweise lässt sich der Wandel hin zu BIM an einem Pilotprojekt, das gleichzeitig parallel in der alten und der neuen Welt durchgeführt wird, für alle am anschaulichsten vollziehen. Man kann schließlich die Praxis nicht 1:1 aus der Theorie denken. Die Nordischen Länder sind uns hier um einiges voraus. Deutschland muss aufholen, die gemütliche Zeit ist vorbei! Ich sehe auch das aber optimistisch: Denn Datenaustausch mit BIM in Zukunft wird so unkompliziert wie ein Facebook-Chat.

15.03.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 01.+02.02.2018: Führung und Kommunikation im Team

„FÜHREN KANN MAN GANZ PRAKTISCH LERNEN – ERFAHRUNGEN SAMMELN UND MITEINANDER REFLEKTIEREN!“

Trainerin: Dipl.-Psych. Laura Schwan

Laura Schwan ist Psychologin und auch als Trainerin, Coach und Beraterin tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die professionelle Begleitung von Führungskräften unterschiedlicher Hierarchiestufen durch maßgeschneiderte Trainings und Coachings. Mit ihr sprach Insa Lüdtke im Nachgang ihres Seminars „Führung und Kommunikation im Team“.

FRAU SCHWAN, WIE KANN MAN FÜHREN LERNEN?
Zunächst einmal ist es wichtig, das Thema als Thema zu erkennen und sich – neben dem Tagesgeschäft – wirklich Zeit zu nehmen. Dann geht es darum, eigene praktische Erfahrungen in Führungssituationen zu sammeln. Ich lasse die Teilnehmer nach kurzen theoretischen Impulsen Erfahrungen machen und diese dann gemeinsam reflektieren. Da bin ich dann eigentlich nur die Moderatorin, das Wissen und die Kompetenz sind oftmals vorhanden.

Eine Teilnehmerin kam am Ende der beiden Tage auf mich zu und war erleichtert, dass wir nicht so viel Theorie gemacht haben – also etwa schon wieder das Eisbergmodell analysiert haben, sondern ganz praktische Übungen gemacht haben und diese im Rahmen der kollegialen Beratung ihre Erfahrungen miteinander reflektieren konnten.

WAS WAREN DAS FÜR ERFAHRUNGEN?
In der einen Übung musste das Team gemeinsam eine Aufgabe lösen, dabei waren einigen Kollegen die Augen verbunden. Hier ging es also auch um eine klare Kommunikation, Motivation und Vertrauen. Ein weiterer Aspekt war die Wertschätzung von Diversität im Team. Das ist immer wieder ein Thema, als Führungskraft sein Team mit Menschen mit unterschiedlichen Qualitäten aufzubauen. Im Rahmen eines Selbsttests konnten die Teilnehmer herausfinden, welche Persönlichkeitspräferenzen sie haben und somit eine Art „Standortbestimmung“ durchführen. Im Tagesgeschäft stellt sich die Frage des Fokus: sind wir eher an der schnellen Aufgabenerledigung interessiert, oder ist uns der Austausch mit den Kollegen besonders wichtig? Agieren wir eher zurückhaltend beobachtend oder proaktiv extrovertiert?

WAS KÖNNEN DIE TEILNEHMER MITNEHMEN INS TAGESGESCHÄFT?
Sie waren sehr offen und verfügen bereits über gute Führungskompetenzen. Die kollegiale Fallberatung ist, denke ich, ein effektives Mittel, im Alltag auf kurzem Wege professionell die eigenen Erfahrungen zu teilen und vom persönlichen Austausch zu profitieren. Hierzu reicht es, sich mit einigen Personen zusammenzusetzen und in fünf Schritten sich durch die Thematik zu arbeiten.

Führen ist eine lebendige Angelegenheit. Oftmals gibt es ja auch kein „richtig oder falsch“ – im Gegenteil: Eine Führungskraft sollte den Mut und das Vertrauen haben, Fehler zu machen und daraus situativ zu lernen. Es geht ja nicht mehr um Hierarchien. Eine Führungskraft muss heute nicht mehr stark und unfehlbar sein – im Gegenteil, wer nahbar ist, zeigt Stärke.

08.02.2018

Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 am 30.01.2018

„Im besten Fall kann man nur gewinnen!“

360AKADEMIE BEGRÜßT ZUM NEUEN JAHR ZUM THEMA HUMOR

Stuttgart. Zum Neujahrsempfang und 1. Netzwerkabend 2018 hatte die 360Akademie zum Thema „Humor“ eingeladen. Rund einhundert Gäste folgten den Ausführungen von Rainer Schmidt. Der Pfarrer, Buchautor, Sportler (Gold bei Paralympics) und Kabarettist wurde ohne Unterarme und Hände geboren. Humor ist (s)eine Haltung, dem Leben und anderen Menschen zu begegnen – Unsicherheit zu nehmen und Nähe zu schaffen.

HUMOR SCHAFFT NÄHE

Der verbindenden Komponente von Humor in der Beziehung von Mensch zu Mensch ging Rainer Schmidt in seinem unterhaltsamen und zugleich feingeistigen kabarettistischen Vortrag auf den Grund. Immer wieder demonstrierte er, wie man Humor bewusst und gekonnt einsetzen kann. Dabei gehe es nicht darum, einfach witzig zu sein. Vielmehr sollte man sich an sein Gegenüber und dessen Verständnis von Humor Schritt für Schritt vorsichtig herantasten. Erst wenn eine humorvolle Anspielung mit einem Lachen oder einer heiteren Reaktion beantwortet worden sei, dürfe man die Dosis erhöhen und mit mehr Schärfe im Witz nachlegen. Als Gegengewicht zur Leichtigkeit braucht Humor das Drama, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Eine humorvolle Wendung löst es wieder auf, denn Lachen und Humor brauchen die Überraschung.

MUT UND PRÄSENZ

Humor geht an oder auch mal über die Grenze, ist aber nicht grenzenlos. Im Gegenteil muss wer Humor hat, auch seine und die Grenzen seines Gegenübers kennen – so darf Humor nicht verletzen. Schmidt spricht aus Erfahrung und berichtete immer wieder von selbst erlebten Episoden im Hinblick auf seine Behinderung. Letztlich gehe es bei der ganzen Inklusionsdebatte um Normalität in der Vielfalt. Wer, so fragte er das Publikum, könne wie er nicht Klavier spielen – rund 80 Prozent hoben die Hand.

Wer Humor einsetzt, braucht jedoch im ersten Schritt eine Portion Mut, da Humor auch immer das Risiko beinhaltet, den Bogen beim Gegenüber womöglich zu überspannen oder einfach missverstanden zu werden: Im besten Fall aber kann man nur gewinnen“, weiß Schmidt, „wer Humor in eine Situation bringt, schafft Präsenz und wird als Mensch sichtbar.“

08.02.2018

Feedback-Interview zum Seminar am 16.11.2017: Umgang mit Komplexität - Strategien entwickeln für die Praxis im Team und am Arbeitsplatz

„MIT KOMPLEXITÄT LEBEN LERNEN!“

Trainer: Jakob Ritzkat

Jakob Ritzkat ist Psychologe, Organisationsentwickler, Trainer und Sustainable Impact Entrepreneur. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Umgang mit Komplexität – Strategien entwickeln für die Praxis im Team und am Arbeitsplatz“.

HERR RITZKAT, SIE SIND ALS REFERENT KURZFRISTIG FÜR IHREN ERKRANKTEN KOLLEGEN, JONAS GEIßLER, EINGESPRUNGEN. WAS BEDEUTETE DAS FÜR SIE IM HINBLICK AUF DAS THEMA „UMGEHEN MIT KOMPLEXITÄT“?
Bei der Vorbereitung ging es mir ein Stück weit darum, in mich hineinzuhören, wo der Bedarf sein könnte, und was ich dazu anbieten kann. Zum anderen habe ich ganz pragmatisch abgewogen, wie die zur Verfügung stehenden Ressourcen wie die Zeit zur Vorbereitung und auch die Zeit im Sinne der Dauer der Veranstaltung zusammenkommen können. Hier ging es im besten Sinne um Eindampfen von Inhalten und gleichzeitig darum, eine Fülle an Materialien in Petto zu haben.

KOMPLEXITÄT ALSO IN ZWEI RICHTUNGEN – FOKUSSIEREN UND GLEICHZEITIG OFFEN BLEIBEN. IST DAS NICHT EIN EIERTANZ UND SCHAFFT EHER VERUNSICHERUNG?
Sie sagen es: Komplexität verunsichert uns. Eindeutige Erklärungen und Lösungen erscheinen in unserer globalisierten, digitalisierten Zeit aber immer schwieriger: Alles hängt mit allem zusammen. Wir Menschen wünschen uns einfach Antworten. Doch wenn wir ehrlich sind, gibt es diese schon heute und wird es diese erst recht in Zukunft nicht geben.

Was also tun? Wir können unsere eigene Komplexität erhöhen. Denn dann können wir wiederum Wahlmöglichleiten schaffen, aus denen wir dann im Moment Lösungen oder Wege auswählen können. Es geht also um zwei Kernkompetenzen: eine Situation sehr genau wahrnehmen und jederzeit skalieren können – ob inhaltlich oder von einer zur anderen Ebene im Sinne von Ernst zu humorvoll, theoretisch zu praktisch umschalten. Kurz: Komplexität braucht Beweglichkeit nach innen und nach außen.

WAS BRAUCHE ICH DAZU, DAMIT DAS OHNE KRAFTAUFWAND GELEINGT?
Es geht letztlich um iterative Kommunikation. Das bedeutet, dass ich mich stets im Dialog mit mir und mit meiner Umgebung verstehe. Es geht nicht darum eine perfekte, sondern die richtige Lösung zu finden. Es geht nicht darum, meine Meinung durchzusetzen oder mein Wissen unter Beweis zu stellen – sondern mich am Austausch lebendig zu beteiligen. Der Reiz an Komplexität ist ja nicht nur die ihr innewohnende Unüberschaubarkeit. Es zeigen sich ja auch „Short-Cuts“, sie offenbaren sich im Kontakt mit Menschen, im besten Fall wenn sie aus anderen Disziplinen kommen und so ihre Welt, ihr Wissen, ihr Denken miteinbringen.

APROPOS, WIE HABEN SIE DAS THEMA AN DIE MENSCHEN, AN DIE TEILNHEMER GEBRACHT?
Um die Auswirkungen von Komplexität im Teamkontext auch praktisch erlebbar zu machen, wurde die Theorie durch verschiedene gruppendynamische Übungen ergänzt, in denen die Teilnehmer Selbstorganisationsprinzipien und Rollenübernahme im Kontext von Führung und Geführten erfahren und reflektiert haben.

Neben theoretischen Impulsen zum Thema von meiner Seite haben sie in kleinen Gruppen ihre Erkenntnisse im Sinne der kollegialen Fallberatung diskutiert. So konnten sie schon einmal ganz konkret die Erfahrung teilen, dass durch verschiedene Meinungen zunächst die Komplexität steigt, bevor Klarheit entstehen kann. Es kann also nicht darum gehen, Komplexität zu bewältigen. Es geht darum, mit ihr leben zu lernen!

22.12.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 09.11.2017 "Führen, Planen und Gestalten im innovativen Facility Management"

„FM MUSS SICH DIE NUTZERBRILLE AUFSETZEN!“

Referent: Dipl.-Ing./BA Jens Schlüter

Jens Schlüter ist Bauingenieur und Bachelor FM und seit über zehn Jahren Leiter Facility Operations bei eBay – über viele Jahre für den Europäischen Raum und seit 2016 für eBay International. Daneben ist er regelmäßig Referent bei Kongressen und Lehrbeauftragter an der FH Münster und der Hochschule für Technik (HTW) Berlin. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Führen, Planen und Gestalten im innovativen Facility Management“.

HERR SCHLÜTER, WIE VERSTEHEN SIE DIE ROLLE VOM FACITLITY MANAGEMENT?
FM sollte heute sehr weitreichend betrachtet und strategisch im Sinne der Unternehmenspositionierung ganz oben aufgehängt sein. Dafür müssen sich nicht nur Architekten, sondern ebenso frühzeitig zu Beginn der Planung auch FM-Experten die Nutzerbrille aufsetzen! In Zeiten von Personalmangel steigt die Bedeutung von Mitarbeitergewinnung wie auch, gute Leute zu halten.

So geht es gerade bei Gewerbeimmobilien darum, sich ernsthaft mit den ganz unterschiedlichen Bedürfnissen der Nutzer zu beschäftigen. FM betrachten wir nicht nur technisch im Hinblick auf Raumklima und Infrastruktur sondern auch prozessorientiert und atmosphärisch: Ein Concierge-Service etwa kann Mitarbeitern während ihrer Arbeitszeit notwendigen Erledigungen abnehmen, um so zum einen die Unternehmensqualität zu verbessern aber auch aktiv eine positive Work-Life-Balance zu erreichen.

WIE SAH DIE BESCHÄFTIGUNG MIT DIESEM MIND-SET FÜR DIE TEILNEHMER AUS?
Ich habe den Teilnehmern die Bandbreite von verschiedenen Arten des FM erläutert und anhand von Beispielen belegt wie auch die breite Palette von Services, die FM für Mitarbeiter erbringen kann, vorgestellt.

Letztlich muss jedes Unternehmen entscheiden, welche Themen es anbieten will, das hängt stark von Unternehmenskultur und den Wertevorstellungen ab. Um die architektonische Integration in das FM zu diskutieren, hatte ich Pläne von einem eher repräsentativen, komplexen Bürogebäude mitgebracht. In kleinen Gruppen sollten die Teams verschiedene Parameter der Immobilie im Sinne einer Wertschöpfungskette analysieren und für die Potentiale und Risiken Lösungsvorschläge entwickeln, die wir dann im Plenum diskutiert haben.

APROPOS, WIE SEHEN ARBEITSWELTEN BEI EBAY AUS?
Hier geht es immer mehr darum, Orte für Kommunikation und Inspiration, ebenso wie Orte für Rückzug und Konzentration zu schaffen. Der ganze Mensch und seine individuellen Bedürfnisse im Rahmen der Arbeit und deren Methoden stehen dabei im Zentrum.

Es geht darum, den Arbeitsplatz für den Moment so zur Verfügung zu stellen, wie es der Mitarbeiter benötigt: Das klassische Bürogebäude bzw. der Schreibtisch ist dabei nur ein Baustein, aber auch das Sofa, die Coffee-Bar oder der Lounge Sessel können ebenso Arbeitsplätze sein. Es geht darum, ad-hoc Meetings zu ermöglichen und Kommunikation in Ideen umzuwandeln. Wir machen regelmäßig Befragungen zum Thema „Work-Life-Balance“ und steuern Entscheidungen über Services mit direkten Befragungen zu bestimmten Themen, so auch über unsere eigenen Gebäude- und Unternehmensgrenzen hinaus wie etwa zu „mobility services“.

21.11.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 12.10.2017 "Gebäudeautomation im Kontext der "Digitalisierung der Energiewende" - oder wie schließe ich ein Smart Building an das Smart Grid an?"

„INTEGRIERTE PLANUNG IST DIE ZUKUNFT!“

Referent: Prof. Dr. Peter Fischer

Prof. Dr. Peter Fischer lehrte an der FH Dortmund „Informations- und Kommunikationstechnik“. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er seit Beginn der Standardisierung Mitglied in verschiedenen Normengremien, die sich mit der Kommunikation in der Gebäudeautomation befassen. Mit dem Elektrotechniker und Informationstechniker sprach Insa Lüdtke im Nachgang seines Seminars „Gebäudeautomatisation im Kontext der Digitalisierung der Energiewende – oder wie schließe ich ein Smart Building an das Smart Grid an?“

HERR PROF. FISCHER, WO STEHEN WIR IM HINBLICK AUF SMART GRID?
Was die Energieeffizienz von Gebäuden angeht, sind wir ganz weit vorne – an unseren Standards orientiert sich die EU. Was Smart Grid angeht, spielen wir im Vergleich zu anderen Ländern auch hier in Europa bisher nur eine geringe Rolle, hier werden noch keine Erträge generiert. Es geht aber auch hierzulande in Richtung bedarfsgerechte Energieversorgung – wir müssen die Politik mitnehmen hin zu einer darauf ausgelegten Infrastruktur.

WAS KONNTEN SIE DEN TEILNEHMERN DENNOCH AUF DEN WEG GEBEN?
Das Seminar diente zunächst einmal dem Erfahrungsaustausch. Die Teilnehmer waren sehr offen und interessiert! Smart Grid ist für die Zukunft der Gebäudeautomatisation ein wichtiger Faktor. Gebäude sind für das Smart Grid Energieverbraucher, Energieerzeuger und -einspeiser wie Photovoltaik und Energiespeicher wie Kühlhäuser.

SIND WIR HIERZULANDE IMMER NOCH HINTEN AN?
Sicher ist, die Gebäudeautomation und das Fachwissen darum wird gerade im Hinblick auf BIM in nächster Zeit auch in Deutschland noch mehr an Bedeutung gewinnen! Es geht um integrale Planung, zum gleichen Zeitpunkt werden alle Gewerke ausgeschrieben. Eine Kommunikation mit dem Energieversorger dagegen findet in Deutschland aber praktisch nicht statt.

DAS KLINGT NICHT GERADE ERMUTIGEND.
So sehe ich das gar nicht. In diesem Feld ist die Zukunft gerade für Planer eine Herausforderung. Es geht zunächst um mehr Kommunikation zwischen allen Beteiligten: Was ist das für eine Steckdose, und wo genau soll sie hinkommen, und welche Funktion soll sie ausführen etwa Zeitschaltprogramm? Es geht doch grundsätzlich darum, Dinge erst einmal in Frage zu stellen und die Antworten zusammenzuführen.

21.11.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 28.09.2017 "Schnittstelle Objektplanung - Fachplanung"

„DIE MASCHINE KANN NUR SO GUT SEIN WIE IHR MEISTER!“

Referentin: RA Elke Schmitz

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen, wobei einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte die Weiterbildung Baubeteiligter ist. Hier richtet sie - ebenso wie im Rahmen ihrer Beratungspraxis – gerne den Blick auf interdisziplinäres Zusammenwirken - und damit u.a. auf Seminarangebote zur Förderung des Fachdialogs „Technik + Recht“ oder auch Themen wie Verhandlungsführung, Kommunikation und Kooperation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Schnittstelle Objektplanung – Fachplanung“.

FRAU SCHMITZ, IN ZEITEN KOMPLEXER WERDENDER PROJEKTE KOMMEN IMMER MEHR AKTEURE AN BORD – SCHNITTSTELLEN GEWINNEN AN BEDEUTUNG. WAS SIND AUS IHRER SICHT HIER DIE HERAUSFORDERUNGEN?
Zum einen ist es für jeden Planer unumgänglich die eigenen Leistungsinhalte zu klären und möglichst nicht auslegungsbedürftig zu vereinbaren. Hierzu gehört vor allem die Bestimmung von Grenzen der eigenen Leistungsverpflichtung und fachtechnischen Verantwortlichkeit. Zum anderen fordern funktionierende Planungsabläufe gerade wegen ihrer Komplexität mehr denn je von jedem Beteiligten den Blick über den eigenen Tellerrand. Dies spiegelt sich auch in der umfangreichen Rechtsprechung zu wechselseitigen Prüfpflichten zwischen Objekt- und Fachplanern.

WAS HABEN DIE TEILNEHMER AUS DER PRAXIS EINGEBRACHT UND ZUM THEMA GEMACHT?
Im Seminar wurden zahlreiche Beispiele und Fragestellungen aus dem alltäglichen Projektgeschäft eingebracht – diese führten in Auseinandersetzung mit der rechtlichen Perspektive zu mitunter kontroversen Diskussionen. Beispielsweise wurde in mehrfacher Hinsicht thematisiert, dass tatsächliche Planungsabläufe auf den ersten Blick unvereinbar erscheinen mit rechtlichen Anforderungen – so etwa die Frage, ob und in welcher Detailliertheit der Objektplaner im Rahmen seiner Koordinationspflichten dem TGA-Planer klare terminlichen Vorgaben zur Planlieferung machen kann oder sogar zu machen hat. Deutlich wurde gerade bei Diskussionen rund um die Beispiele aus der Praxis der Teilnehmer: Planungssicherheit bedeutet Rechtssicherheit.

GIBT ES NOCH WEITERE MÖGLICHKEITEN RECHTSSICHER MIT ETWAIGEN SCHNITTSTELLENRISIKEN UMZUGEHEN?
Aus Sicht von Planern kann es vorteilhaft sein „Leistungen aus einer Hand“ anzubieten, was wiederum mit dem ohnehin häufig bestehenden Bedürfnis von Auftraggebern korrespondiert, einen einzigen verantwortlichen Vertragspartner zu haben. Denkbar ist hier sowohl die Vertragsform Generalplanung mit Unterbeauftragung ebenso wie eine Generalplaner-ARGE – zumeist in der Rechtsform der GbR. Das Thema Schnittstellenrisiken wird bei beiden Konstellationen in das Innenverhältnis der beteiligten Planer verlagert. Insbesondere die Generalplaner-ARGE bietet Potenziale Schnittstellenrisiken projektbezogen in gesellschaftsvertraglichen Regelungen aufzugreifen. Aber dies wäre ein anderes (Seminar-)Thema…

GERADE IM HINBLICK AUF BIM GIBT ES DIE PROGNOSE, DASS SICH VERANTWORTLICHKEITEN UND DAMIT AUCH DIE ROLLEN IM PROJKEKT – OB ARCHITEKT ODER FACHPLANER – IN ZUKUNFT HIN ZU INTERDISZIPLINÄREN TEAMS WANDELN WERDEN. ERÜBRIGEN SICH DAMIT SCHNITTSTELLEN ODER ENTSTEHEN WOANDERS NEUE? WIE KANN MAN SICH AUS IHRER SICHT AUF DIESE ENTWICKLUNG EINSTELLEN?

Auch hier gilt wohl: Chancen und Risiken im Blick haben! Chancen werden darin gesehen, dass dieses Instrument das fördert, was so häufig vermisst wird: lückenlose transparente Planungsprozesse mit dem Ziel maximaler Erschließung von (Kosten-)Optimierungspotenzialen. BIM legt die Annahme zugrunde, dass die Planung vor Baubeginn fertig ist. Damit dies gelingt, ist interdisziplinäres Zusammenwirken von Beginn an faktisch systembedingt zwingend erforderlich.

Insoweit fordert und fördert BIM den gezielten Umgang mit Schnittstellen, denn diese müssen in sogenannten Abwicklungsplänen hinterlegt werden. Um aber Ihre Frage zu beantworten: Die bekannten Schnittstellen dürften bleiben, etwaige Schnittstellenrisiken können dank Transparenz und frühzeitiger Definition reduziert werden – ob „neue“ hinzukommen ist aus meiner Sicht noch nicht absehbar. Ob wir am Ende „nur“ die Summe der einzelnen Teile haben, bleibt abzuwarten. Mein Fazit: die Maschine kann nur so gut sein wie ihr Meister. Und: Am Ende sollte bedacht werden, welches Maß an Standardisierung für unsere Baukultur verträglich ist.

30.10.2017

3. Netzwerkabend am 17.10.2017

Gibt es Weinberge in der Smart City? Leben und Mobilität in der Stadt von morgen

3. NETZWERKABEND DER 360AKADEMIE DISKUTIERT ÜBER MOBILITÄT IN DER STADT DER ZUKUNFT

STAUNENDE AM STAUENDE!

Stuttgart. Als „Staunende am Stauende“ führte das Galli Businesstheater kürzlich bei der 360Akademie mit seiner Improvisation den 3. Netzwerkabend dieses Jahres ein: Zwischen Taxifahrer und Fahrgästen entpuppt sich ein kontroverses Streitgespräch im Sinne: Mobilität kommt allerorten zum Erliegen, Veränderung ist gefragt – aber bitte ohne mich!

Diese Haltung bestätigen auch Umfragen: Nur 18% der Menschen in Deutschland nutzen öffentliche Verkehrsmittel (dpa) – Verspätungen, fehlender Komfort und zu hohe Kosten werden als Gründe genannt. Auch gegenüber Elektroautos gibt es Vorbehalte wie mangelnde Reichweite oder schlechte Ladeinfrastruktur. Gegen Carsharing spricht für viele die Unsicherheit über die Verfügbarkeit. Dem autonomen Fahren stehen laut Befragung der Bertelsmann-Stiftung rund zwei Drittel der Befragten misstrauisch gegenüber. Mobilität heißt für die meisten, anzukommen ohne aber unterwegs zu sein.

GANZHEITLICHES ZUKUNFTSBILD

Neue Mobilitätskonzepte gewinnen auch für die Immobilienwirtschaft an Bedeutung gerade im Hinblick auf ihr Mantra „Lage, Lage, Lage“. In Zeiten steigender Verkehrsdichte und zunehmender Klimadiskussion kann sich keine Branche dem Thema Mobilität entziehen. „Statt abstrakte Untersuchungen zu studieren, lassen sich mit einem Zukunftsbild im Sinne einer ganzheitlichen und lebensweltlichen Darstellung verschiedene Aspekte konkret veranschaulichen, die sonst häufig eher getrennt voneinander betrachtet werden,“ erklärte Bettina Ludolf. Sie ist Zukunfts- und Trendforscherin bei der Daimler AG und stellte mit ihrem Impulsvortrag den rund 100 Gästen die „Vision Stuttgart 2036“ vor. Diese wurde von der Daimler Zukunftsforschung konzipiert und von der Agentur für Architekturvisualisierung XOIO in Berlin realisiert.

„Dabei knüpfen wir im Hier und Jetzt an, Bewährtes soll auch bleiben: In der Smart City soll es etwa weiterhin auch Weinberge geben,“ so Ludolf, „mit der Vision 2036 stellen wir mit dem Olgaeck bewusst eine reale Situation der Stuttgarter Innenstadt in die Zukunft weitergedacht dar.“ Neben der Fahrbahn befindet sich auf dem breiten Grünstreifen ein gut besuchter Spielplatz – Elektroautos gleiten leise vorbei. Fußgänger haben jederzeit Vorfahrt, E-Fahrzeige projizieren automatisch Zebrastreifen auf die Fahrbahn. Drohnen transportieren Pakete zu im Boden versenkbaren Packstationen, eine Seilbahn erweitert das ÖPNV-Angebot. Auf den Dächern und an den Fassaden der umliegenden Gebäude zeigen sich Konzepte von Urban Gardening und lokaler Produktion.

LUST AUF PERSPEKTIVWECHSEL

Wie die teils kontroversen Rückmeldungen aus dem Publikum aufzeigten, kann ein solches Zukunftsbild eine erste Diskussionsgrundlage über Wunsch und Wirklichkeit sein. Ludolfs Arbeit zielt nicht auf Außendarstellung. Im Rahmen eines interdisziplinären Teams erarbeitet sie Zukunftsszenarien und Impulse für zukünftige Mobilitätssysteme und Fahrzeugkonzepte gerade für den frühen Innovationsprozess, um nach den eigenen Mitarbeitern in der Produktentwicklung Lust auf einen Perspektivwechsel und die Gestaltung der Zukunft zu machen. So ist die studierte Literaturwissenschaftlerin selbst gern in Städten unterwegs – am liebsten mit dem Fahrrad.

20.10.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 20.07.2017 "Virtuelle Kommunikation im Projekt"

„DAS PERSÖNLICHE GESPRÄCH WIRD VIRTUELLE KOMMUNIKATION NICHT ERSETZEN, JEDOCH SINNVOLL ERGÄNZEN!“

Trainer: Dr. Ralf Friedrich

Dr. Ralf Friedrich hat über 20 Jahre Erfahrung als Coach internationaler, virtueller Projekte. Sein Fokus liegt auf interaktiven Workshops und Seminaren in virtuellen Umgebungen wie etwa “live-Klassenzimmer“. Mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Seminars „Virtuelle Kommunikation im Projekt – virtuelle Kommunikationsinstrumente bewusst und sinnvoll einsetzen“.

HERR DR. FRIEDRICH, VIRTUELLE KOMMUNIKATION IST FÜR DIE MEISTEN ALLTAG. WAS KANN MAN DA LERNEN?
Eine ganze Menge! Gerade die vermeintliche Verfügbarkeit und einfache Bedienbarkeit der unterschiedlichen Medien – von der Textnachricht, über die Email bis hin zu Diensten wie etwa Skype – macht die sinnvolle Anwendung im Geschäftsleben komplizierter. Es braucht Medienkompetenz!

Damit meine ich zum einen die Sensibilität des Einzelnen, mit welchem Medium ich zu welchem Anlass kommuniziere. Zum anderen gilt es, sich im Unternehmen oder im Team, über Regeln für den Umgang mit der Technik zu verständigen. Das klingt jetzt erstmal zeitaufwendig – der Mehrwert von virtueller Kommunikation in Zeiten komplexer werdender Projekte, Zunahme von Homeoffice bzw. abnehmender Präsenz im Büro ist ohne Zweifel da, gerade im Hinblick auf Zeit- und Kosteneffizienz wie auch Ressourcenschutz hinsichtlich Mobilität.

WAS KANN MAN NOCH FÜR EINE ERFOLGREICHE VIRTUELLE KOMMUNIKATION TUN?
Nehmen wir das virtuelles Meeting: Soll es als Telefonkonferenz oder als Videokonferenz, also mit Bild, stattfinden? Wer ist der Moderator? Wie geht man um mit Unklarheiten oder Störungen um? Dazu kommt, dass gerade ein virtuelles Setting womöglich mehr Vorbereitung bedarf, als ein persönliches Treffen. Wenn mein Gegenüber physisch weit weg ist, müssen sich die Teilnehmer gegenseitig zwischendurch immer wieder Rückmeldung geben und nachfragen. Wie bei jedem Meeting ist hier entscheidend, vorher zu klären, welches Ziel die Besprechung haben soll – sollen die Teilnehmer ein Thema interaktiv erarbeiten oder gemeinsam Entscheidungen fällen?

Gut ist auch, etwas Verbindendes zu nutzen wie etwa eine virtuelle Tafel. Hier empfehle ich, wenig Text zu verwenden und eher ergebnisorientiert zu formulieren, um die Teilnehmer mitzunehmen – Ihre Aufmerksamkeit soll ganz beim Gesagten bzw. bei der gegenseitigen Wahrnehmung der anderen bleiben.

WIE HABEN DIE SEMINARTEILNEHMER DIE INHALTE AUFGENOMMEN?
Sehr gut! Die meisten hatten gerade mit virtuellen Meetings zwar kaum Erfahrungen, waren aber offen und neugierig. Deshalb haben wir das Tagesseminar dann auch einvernehmlich früher beendet und eine Woche später ein virtuelles Meeting nachgeschaltet. Hier konnten die Teilnehmer schon einmal in der Praxis erste, positive Erfahrungen machen.

Mich freut, dass ich auch im kommenden Jahr mit dem Themenfeld wieder ein Seminar anbieten kann. Gerade durch BIM (Building Information Modeling) werden in der Planungswelt virtuelle Meetings zum entscheidenden Baustein in der Projektarbeit – das persönliche Gespräch werden sie dabei nicht ersetzen, jedoch sinnvoll ergänzen!

13.07.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 06.07.2017 "Enthetzt Euch! - Wege zu einem guten Umgang mit Zeit"

„ES GEHT UM IMPULSE, UM RHYTHMEN UND RITUALE“

Trainer: Jonas Geißler

Jonas Geißler ist Soziologe und Medienmanager, systemischer Organisationsentwickler und Berater. Mit dem Social Entrepreneur und Fachbuchautor sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Seminars „Enthetzt Euch!“ - Wege zu einem guten Umgang mit Zeit.

HERR GEIßLER, VON EINSTEIN WISSEN WIR, ZEIT IST RELATIV. KONNTEN SIE IM SEMNIAR DENNOCH KONKRET WERDEN?
Das ist stets mein Ansatz! Allerdings geht es mir darum, keine absolute Wahrheit zu verkünden, sondern vielmehr die Vielschichtigkeit von Zeiterfahrungen und Zeitgestaltung ins Bewusstsein zu bringen. Erst dann können wir beginnen, unser Verhalten neu zu denken und konkret umzusetzen. 

Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben wir etwa sogenannte Zeit-Typen identifiziert. Im Laufe des Tages konnten sie ihre eigenen Anliegen in kleinen Gruppen teilen und Protoypen entwickeln, um alte, vertraute Strukturen zu verändern. Ich war beeindruckt vom hohen Grad an Offenheit untereinander. Apropos, wer wollte, konnte mit etwas zeitlichem Abstand im Rahmen eines telefonischen Coachings mit mir seine neuen Erfahrungen reflektieren.

BEI ZEIT UND ARBEIT KOMMT SCHNELL DER BEGRIFF ZEITDRUCK INS SPIEL. HABEN WIR ÜBERHAUPT SPIELRÄUME, ZEIT ZU GESTALTEN?
Absolut. Zeit wird gemeinhin häufig mit Schnelligkeit und Effizienz gleichgesetzt. Heute erleben wir aber einen Paradigmenwechsel: Studien belegen, dass Pausen Voraussetzung für Phasen der Konzentration sind. Eine definierte Auszeit sollte man sich also statt mit schlechtem Gewissen mit guten Gewissens nehmen. Kaum jemand wird einem dies nahelegen, ich muss mir diesen Zeitraum aktiv einräumen! Pausemachen muss keineswegs eine Ruhezeit bedeuten, auch eine aktive Pause kann erholsam sein.

Selbst im Meeting muss nicht zwingend durchgeackert werden. Auch hier macht es Sinn, die Zeit in einzelne Phasen zu strukturieren und zwischendurch - etwa wenn ein neuer Tagungsordnungspunkt drankommt – bewusst eine Pause oder wenigstens eine kurze Zäsur zu machen. Statt der üblichen Kaffeepause ist hier auch der Zeit-Raum, sich innerhalb der Runde gegenseitig einmal kurz seiner Wertschätzung für eine konkrete Leistung oder einfach für die kollegiale Zusammenarbeit Ausdruck zu geben.

WIE GENAU LÄSST SICH DAS IN DEN ARBEITSALLTAG EINBAUEN?
Eine Pause muss nicht lang sein, das kann der Blick aus dem Fenster sein, eine kurze Visualisierung oder ein Flurgespräch. Wichtig ist, dass es eine echte Abwechslung zur vorherigen und nachgelagerten Situation ist. Es geht um Impulse, um Rhythmen und Rituale. Wir sprechen deshalb auch von Ressourcen-Zeiten. Apropos, wer einmal Langeweile erlebt, ist im Hinblick auf Zeiterfahrung und Umgang mit Zeitqualität ganz weit vorne!

25.08.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 06.04.2017 „Teamwork Bau – kooperative Kommunikations- und Verhandlungskompetenzen“.

„ZUNÄCHST STAND EINE GEWISSE UNGLÄUBIGKEIT IM RAUM“

Referentin: RA Elke Schmitz

Elke Schmitz ist Rechtsanwältin mit Fokus auf baurechtlichen Themen sowie auch auf Kooperation und Kommunikation am Bau. Insa Lüdtke sprach mit ihr über ihre Eindrücke zum Seminar „Teamwork Bau – kooperative Kommunikations- und Verhandlungskompetenzen“.

FRAU SCHMITZ, SIE SIND ALS RECHTSANWÄLTIN VERTRAUT MIT JURISTISCHEN THEMEN GERADE IM BAUBEREICH. IHR SEMINAR ZUM THEMA TEAMWORK BAU FOKUSSIERTE SICH AUF KOMMUNIKATIONS- UND VERHANDLUNGSMETHODEN, WARUM ? 
Als Rechtsanwältin  ist es mir natürlich ein wesentliches Anliegen, Konflikt- und damit auch Streitsituationen zu vermeiden – die Realität zeigt jedoch, dass selbst bei größtem Bemühen Konflikte immer und überall entstehen können. Die entscheidende Frage ist daher nach meiner Auffassung, wie wir konstruktiv – im Wortsinne: auf- und zusammenbauend – mit Konflikten umgehen können. Denn gerade im Baugeschehen kosten „erstarrte“ Verhandlungen viel Zeit und Geld. Darüber hinaus besteht ein nicht zu unterschätzendes Risiko, dass wertvolle Geschäfts- aber auch persönliche Beziehungen Schaden nehmen, der möglicherweise in keinem Verhältnis zum ursprünglichen Anlass der Auseinandersetzung steht. Warum?

Zu beobachten ist häufig, dass offen oder im Stillen emotionale Faktoren sachlich orientierte Verhandlungen erheblich beeinflussen, wenn nicht sogar verhindern können. Diese Erkenntnis war für die amerikanischen Juristen Roger Fisher und William Ury der Harvard Universität Ausgangspunkt für die Entwicklung eines alternativen Verhandlungsansatzes – Anfang der 80er Jahre erstmals unter dem Titel „Getting to Yes“ – zu Deutsch „Das Harvard-Konzept“ – veröffentlicht. Seither hat sich diese Verhandlungsmethode weltweit in vielfältigen Beratungszusammenhängen erfolgreich bewährt.

WIE FUNKTIONIERT DAS GENAU?
Die zu beantwortende Kernfrage lautet: „Wie kann es uns gelingen, optimale Verhandlungsergebnisse für alle Beteiligten zu erzielen?“ Das Harvard-Konzept ist einfach, es beruht auf vier Grundsätzen. Am Anfang steht die Erkenntnis, dass Verhandlungspartner zu allererst Menschen sind. Die erste Regel appelliert an unsere Bereitschaft, uns mit Respekt und Aufmerksamkeit um etwaige emotionale zwischenmenschliche Belange unmittelbar zu kümmern, um auf dieser Grundlage „Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln“ zu können – dies ist der erste Grundsatz. Diese strikte Trennung ist damit Ausgangsbasis für sachbezogenes Verhandeln – wobei jedoch der Verhandlungspartner nicht als Mensch ausgeklammert wird, sondern lediglich die zwischenmenschliche Ebene aus dem konkreten Verhandlungskontext.

DAS KLINGT PERFEKT, WIE KANN DAS FUNKTIONIEREN?
Da helfen uns die weiteren drei Grundsätze weiter. Denn während klassischerweise Verhandlungen „positionsbezogen“ von statten gehen –  also Position A und Position B solange „gegeneinander“ verhandelt werden bis man sich möglichst in der Mitte als gefühltes Verhandlungsoptimum trifft – konzentrieren sich hier die Verhandlungspartner auf ihre Interessen – und zwar auch auf die des Anderen. Der Perspektivwechsel liegt zunächst darin auch die gemeinsamen Interessen zu erkunden, um dann im dritten Schritt Entscheidungsmöglichkeiten – Optionen – zum beiderseitigen Vorteil zu entwickeln. Im letzten Schritt geht es darum objektive Beurteilungskriterien zu entwickeln und ausschließlich anhand dieser zu verhandeln – also strikt sachbezogen zu bleiben.

Unabdingbare Bestandteil erfolgreicher Verhandlungen ist schließlich die Entwicklung einer besten Alternative für den Fall des Scheiterns der Verhandlung (Best Alternative to Negotiated Agreement) – diese Strategie dient unserem Schutz, vor allen Dingen dann, wenn wir glauben, wir hätten ohnehin keine oder nur geringe Chancen. Die Erfahrungen zeigen, dass auch hier Unmöglich scheinendes zumindest möglicher wird.

WIE WAR DIE RESONANZ DER TEILENHEMER?
Zunächst stand eine gewisse Ungläubigkeit im Raum, die sich jedoch im Laufe des Tages auch dank des lebendigen Dialogs der Teilnehmer untereinander zunehmend in Neugier und „Lust auf Mehr“ wandelte!

19.07.2017

Nachlese zum 2. Netzwerkabend 2017 am 16.05.2017

AUF DATEN BAUEN – AUF DEN MENSCHEN VERTRAUEN! DIGITALISIERUNG UND IMMOBILIENWIRTSCHAFT – CHANCEN UND RISIKEN IM DISKURS

WAS DER MEGATREND DER DIGITALISIERUNG ANGEKOMMEN IN DER PRAXIS KONKRET FÜR DIE IMMOBILIENWIRTSCHAFT BEDEUTEN KANN - ETWA IM HINBLICK AUF DATENSCHUTZ, INFRASTRUKTUR ODER DAS RISIKO EINES HACKERANGRIFFS - DISKUTIERTE KÜRZLICH EINE INTERDISZIPLINÄRE EXPERTENRUNDE BEIM 2. NETZWERKABEND.


Ausgangspunkt für die Diskussion war der Impulsvortrag von Andreas Thamm, Geschäftsführer des Niederländischen Projektentwicklers OVG Real Estate Deutschland. Thamm berichtete über den Hightech-Komplex „The Edge“, der seit 2015 im Amsterdamer Stadtteil Zuid steht. Das Projekt zählt zu den fortschrittlichsten Bürogebäuden der Welt, alles ist auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtet: Der 40.000 Quadratmeter große Bau produziert mit intelligenten Technologien mehr Energie als die 2.500 Nutzer verbrauchen können und wurde mehrfach ausgezeichnet zum Beispiel mit dem BREAAM Award in der Kategorie „Office New“.

IMMOBILIE ALS DATENPRODUZENT

The Edge gilt nicht nur als das derzeit nachhaltigste Bürogebäude der Welt, sondern ist auch vollvernetzt: 28.000 Sensoren produzieren rund um die Uhr via Big Data-Analysen unendlich viele Nutzerdaten. So weiß das intelligente Gebäude beinahe alles über seine Nutzer – sogar, wann sie das stille Örtchen aufgesucht haben. Eine App informiert die Reinigungskräfte darüber, welche Toiletten in Benutzung waren.

Passend dazu garantieren die durchgängige Glasfassade und große Flure, die das nördlich ausgerichtete 15-stöckige Atrium umrahmen, lichtdurchflutete Arbeitsbereiche. Die Workspaces sind dabei alles andere als triste Büroräume, sondern auf die täglich anfallenden Aufgaben innerhalb der niederländischen Deloitte-Niederlassung ausgerichtet.
„Jeder Mitarbeiter kann frei entscheiden, ob er gerade im Großraum, am Stehpult, in der gemütlichen Sitzecke oder einem Meeting Room arbeiten will“, erläuterte Thamm, „per Smartphone-App kann der Nutzer vom Parkplatz in der Tiefgarage bis zum Arbeitstisch oder Besprechungsraum buchen und die gewünschte Raumhelligkeit und Temperatur individuell einstellen.“ Darüber hinaus zeichnet die App sämtliche Aktionen, Vorlieben und Gewohnheiten des Nutzers auf und stellt sich so künftig auf dessen individuellen Bedürfnisse ein.


DIGITALISIERUNG IN DEN KINDERSCHUHEN
Ob ein Büro bzw. der Arbeitgeber wirklich stets in Echtzeit erfassen sollte, wo sich etwa ein Mitarbeiter aufhalte, stellte Stefan Leibfarth vom Chaos Computer Club Stuttgart e. V. in Frage. Er sei zwar offen für die Möglichkeiten der Digitalisierung, plädiere aber gegen blindes Vertrauen und für das Festhalten am Schutz der Privatsphäre des Einzelnen. Dr. Jochen Stockburger, Fachanwalt für Digitalisierung und Immobilienwirtschaft betonte, dass wir uns hier keineswegs in einem rechtsfreien Raum befänden – eine legale Anwendung der Datenerfassung stets vorausgesetzt. „Dennoch müssen wir uns in der Immobilienwirtschaft grundsätzlich viel ernsthafter mit der Digitalisierung auseinandersetzen – nicht nur hinsichtlich BIM steckt die Verzahnung der analogen mit der digitalen Welt hierzulande noch in den Kinderschuhen“, unterstrich der Jurist der Kanzlei Menold Bezler Rechtsanwälte.
Auch was die Anwendung der Digitalisierung im urbanen Maßstab angeht, gehe Deutschland global gesehen (noch) nicht voran, sagte Dr. Ole Langniß, Inhaber der Beratungsfirma Energie & Analyse und Mitglied im Weltklimarat. Er stellte heraus, dass China auf gutem Wege sei, der enormen Luftverschmutzung in den Megametropolen zu begegnen: In einigen Regionen messen Straßenlaternen die Luftverschmutzung, Gebäude sind miteinander und mit Ampeln vernetzt und steuern via Big Data die Verkehrsströme. Auch wenn hierzulande die Umweltbelastungen im Vergleich glücklicherweise viel geringer sind – hinsichtlich der auch hier zunehmenden Feinstaubbelastung und des drohenden Verkehrskollapses wären das in Anbetracht der hoch gesteckten Ziele zur Energiewende sicher auch tragfähige Ansätze für eine deutsche Metropolregion wie etwa Stuttgart.

14.07.2017

Feedback-Interview zum Seminar "Energiekonzepte (Teil 1)"

„Augenhöhe ist entscheidend!“

Referentin: Andrea Georgi-Tomas

Andrea Georgi-Tomas ist geschäftsführende Gesellschafterin der ee concept GmbH. Als Spin-Off der TU Darmstadt verfolgt das Unternehmen seit 2006 einen ganzheitlichen Ansatz und ist spezialisiert auf Forschung und Anwendung im Bereich nachhaltiges Planen und Bauen. Mit der studierten Architektin sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Seminars „Energiekonzepte 1“.

FRAU GEORGI-TOMAS, WO IM PLANUNGSVERLAUF SOLLTE DAS ENERGIEKONZEPT ANSETZEN?
Integriertes Planen heißt das Stichwort! Das Energiekonzept darf nicht isoliert oder nachträglich aufgesetzt werden, wenn die Planung schon steht. Sie muss von Beginn an Teil aller Überlegungen sein. Deshalb ist der gleichberechtigte Umgang aller an der Planung Beteiligten entscheidend.

SPIELEN SIE AN AUF DIE VERMEINDLICHE UNVEREINBARKEIT VON TECHNIK UND ÄSTHETIK?
Ich bin klar der Meinung, dass Technik und Architektur sehr wohl vereinbar sind. Im Seminar zeige ich zwar immer auch gerne ein paar Negativbeispiele aus unseren Bildersammlung wie etwa manchen Auswuchs aufgesetzter Photovoltaikanlagen auf Dachlandschaften.

Aber im Ernst: wie die wachsende Zahl guter Beispiele zeigt, lassen sich trotz zunehmender Komplexität in der Planung Lösungen schaffen, die von außerordentlicher Gestaltqualität sind – wenn man sich die Potentiale technischer Lösungen und architektonischer Prinzipien zu Nutze macht. Wobei die Bedeutung des Daches als fünfte Fassade zunimmt sowohl als soziokulturell genutzte Fläche als auch für die Nutzung erneuerbarer Energien.

WER MUSS IHRER MEINUNG NACH BEIM ENERGIETHEMA DEN HUT AUFHABEN?
Es ist das Zusammenspiel aller Akteure, die das Ziel energieeffizient zu bauen und erneuerbare Energien zu nutzen gemeinsam verfolgen. Die Bauherrschaft sollte bereit sein, über den Lebenszyklus zu denken: es geht nicht um die Frage, was kostet mich das Gebäude bei der Herstellung, sondern was kostet es inklusive Betrieb über eine gewisse Zeit, also über den gesamten Lebenszyklus – einem Zeitraum von etwa 20 Jahren.

Der Architekt muss sich in Energiethemen auskennen und Gebäudehülle und –technik vom Entwurf her zusammenführen. Damit ist er immer noch für die Gesamtkonzeption zuständig, seine Fachplaner begegnen ihm aber auf Augenhöhe. Eventuell ist ein Energieplaner Teil des Planungsteams, der dann die Aufgabe hat, Hülle und Technik in Einklang zu bringen. Nur durch gemeinsame Optimierungsrunden und das Denken in Varianten entsteht nachhaltige Architektur von hoher Gestaltqualität!

20.04.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 16. + 17.03.2017: Lean Construction - mit ganzheitlicher Methodik zum erfolgreichen Projekt

„LEAN KENNT NUR DIE TEAMLEISTUNG!“

Trainer: Dr. Claus Nesensohn

Dr. Claus Nesensohn ist Gründer und Vorstand des Stuttgarter Beratungsunternehmens Refine Projects AG, er studierte Bauingenieurwesen und Projektmanagement. Der gelernte Zimmermann und staatlich geprüfte Bautechniker promovierte zum Thema Lean Construction, mit ihm sprach Insa Lüdtke im Nachgang des Lean Construction-Workshops.

HERR DR. NESENSOHN, LEAN MANAGEMENT IST VIELEN AUS DER INDUSTRIEPRODUKTION EIN BEGRIFF – WAS ABER IST LEAN CONSTRUCTION?
Auch hier geht es darum, Prozesse zu analysieren und zu optimieren im Sinne eines generellen Umdenkens auf allen Ebenen: Es geht also darum, vom Ergebnis her – also quasi rückwärts – zu denken und so auch einmal althergebrachte Strukturen zu verlassen. Lean ist immer eine Teamleistung, statt die eines Individuums oder einer Teilgruppe wie etwa von einem bestimmten Gewerk.

APROPOS TEAM, WIE HABEN SIE DIE TEILNEHMER AN DIESE ANSÄTZE HERANGEFÜHRT?
Nach einer Einführung zu verschiedenen Lean-Methoden haben wir sie im Rahmen von Planspielen aufgefordert, in Teams konkrete Aufgaben zu erledigen: ganz klassisch „Stein auf Stein“, mit Legosteinen! Von Durchlauf zu Durchlauf konnten sie dabei erleben, wie sich durch bessere Absprachen und eine andere Aufteilung der Arbeitspakete die Effizienz steigern lässt. Die Teilnehmer waren sehr motiviert. Im Rahmen der anschließenden Diskussionen hätten wir uns allerdings noch mehr Beteiligung gewünscht. Hier zeigt sich, dass es Zeit und Erfahrung braucht, althergebrachte Arbeitsweisen zu verändern.

WIE SCHÄTZEN SIE LEAN CONSTRUCTION PERSPEKTIVISCH EIN ETWA AUCH IN PUNKTO BIM?
Lean ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess und erfordert damit ein ganz anderes Mind-Set etwa auch im Hinblick auf Soft-Skills jenseits etablierter Zuständigkeiten. Die Immobilienwirtschaft ist ja eher traditionell geprägt von speziellen Kompetenzen und klaren Hierarchien.

BIM verstehe ich dabei letztlich nur als Methode, dass ähnliche Veränderungen in der Projektarbeit erfordert und ein Teil des Veränderungsprozesses darstellt. Lean als Management-Philosophie aber ist weitreichender: Hier geht es um einen ganzheitlichen Bewusstseinswandel. Lean kennt keinen Stillstand. Es geht um die Bereitschaft, sich zu verändern, Dinge in Frage zu stellen, neu zu denken, Ideen auszuprobieren, Arbeit zu visualisieren – dabei ist auch Fehlermachen erlaubt! Dennoch oder gerade deshalb zeigen Pilotprojekte und die Wissenschaft auf, dass sich mit Lean-Methoden die Effizienz gerade im Planen und Bauen um bis zu 50 Prozent steigern ließe, wenn die Bauwirtschaft erkennt, dass es wie schon in der Industrie neben Projektmanagement auch Produktionsmanagement braucht.

10.04.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 17.02.2017 "BIM kompakt- rechtliche Auswirkungen und Stolperfallen"

„ES BRINGT NICHTS, SICH GEGENÜBER BIM ZU VERSCHLIESSEN!“

Referent: RA Ulrich Eix

Ulrich Eix ist Rechtsanwalt bei der Kanzlei Menold Bezler in Stuttgart. Seine Hauptkompetenzen liegen im privaten Baurecht, im Architekten- und Ingenieurrecht sowie in der Prozessführung. Insa Lüdtke sprach mit ihm über seine Eindrücke zu seinem Seminar „BIM kompakt – rechtliche Auswirkungen und Stolperfallen“.

HERR EIX, WAS IST AUS IHRER SICHT DER AKTUELLE STAND IM HINBLICK AUF BIM (BUILDING INFORMATION MODELING)? 
In erster Linie geht es zum jetzigen Zeitpunkt um mehr Sicherheit für alle Beteiligten im Sinne verbindlicher Standards. Hier muss Deutschland aufpassen, nicht von anderen Ländern wie etwa Großbritannien abgehängt zu werden. Hier ist insbesondere der VDI dabei, mit der Richtlinie 2552 einen Rahmen zu setzen. Blatt 3 der Richtlinie liegt bereits im Entwurf vor.

WIE WAR DAS INTERESSE DER TEILNEHMER AN DEM RECHTLICHEN FOKUS VON BIM?
Nicht nur wegen fehlender rechtlicher Standards – BIM bedeutet eine ganz neue Projektbearbeitung und wirft damit viele rechtliche Fragen auf, das zeigte auch die lebendige Diskussion der Seminarteilnehmer – ob auf Planer- oder auf Bauherrenseite.

Konkret im Projekt bringt insbesondere der Austausch von digitalen Datenmodellen zwischen den Beteiligten rechtlich auch ein Mehr an Komplexität. Perspektivisch ist es auf beiden Seiten wichtig, BIM ganzheitlich zu begreifen und strategisch aktiv anzugehen.

WIE WIRD SICH DIE ROLLE VON PLANER UND BAUHERR IM ZUGE VON BIM VERÄNDERN?
Viele Unternehmen aber auch immer mehr Planungsbüros stellen einen BIM-Manager bzw. einen BIM-Koordinator ab. Bei Planern überwiegt aus meiner Sicht mittlerweile die Neugierde und Offenheit gegenüber dem Thema, bei öffentlichen Aufraggebern ist eine größere Unsicherheit spürbar – in Zukunft wird bei größeren Ausschreibungen BIM zum Standard gehören.

BIM ist Werkzeug und Prozess gleichermaßen. Letztlich wird BIM den kollaborativen Prozess zwischen Auftraggeber und Auftragnehmern fördern, so dass die Grenzen der HOAI-Leistungsphasen immer mehr verwischen. Trotz zunehmender Komplexität rückt also alles näher zusammen. Letztlich ist allseitige Kooperation auf Augenhöhe gefragt! Konflikte – auch rechtlicher Natur – wird BIM dabei nicht eliminieren können. Von Innovationen verspricht sich der Mensch zunächst einmal Verbesserung, ein Allheilmittel wird auch BIM nicht sein können!

01.03.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 16.02.2017 "´BIM - Building Information Modeling auf Mehrwerte getrimmt"

Referent: Jakob Przybylo

Jakob Przybylo ist Architekt und berät Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft zur strategischen Ausrichtung hinsichtlich BIM (Building Information Modeling). Er ist Mitglied des VDI-Koordinierungskreises BIM sowie stellvertretender Vorsitzender des buldingSMART e. V., hier setzt er sich etwa für offene BIM-Standards und die Vernetzung im Bauwesen ein. Insa Lüdtke sprach mit ihm über seine Eindrücke zu seinem Seminar „BIM auf Mehrwerte getrimmt“.

HERR PRZYBYLO, ALLE REDEN VON BIM - WAS IST HIER IHR ANSATZ?
BIM ist vielfältig, es gibt hier ganz unterschiedliche Perspektiven. Zudem ist aktuell viel in Bewegung: Standards werden formuliert, bei Softwareentwicklungen gibt es stets eine große Dynamik. Meiner Meinung nach ist die allgemeine Wahrnehmung aber noch nicht da, wo es sein sollte: BIM als Teil der digitalen Transformation – also etwas viel Größerem, was ein Unternehmen auf allen Ebenen betrifft. 

Es geht also zunächst nicht so sehr um technische und operative Aspekte, sondern vor allen Dingen um strategische und um unternehmerische Aufgaben und Herausforderungen. BIM muss vor allem Chefsache sein – zum Beispiel auch etwa im Hinblick auf die Entwicklung neuer Geschäftsfelder.

APROPOS GESCHÄFTSFELDER, WIE WIRD SICH DIE ROLLE DES PLANERS UND DES BAUHERRN DURCH BIM VERÄNDERN?
BIM hat für den Betreiber eine andere Bedeutung als für den Planer oder gar Generalplaner. Der Planer hat eine besondere Chance und Herausforderung zugleich. Er ist derjenige, der mit seiner Datenqualität viel stärker langfristige Optimierungspotentiale über den gesamten Lebenszyklus anlegen kann. Der Bauherr wird hingegen der ganz große Gewinner durch BIM. Mit der richtigen Vorbereitung hat er bereits heute eine viel höhere Kostensicherheit und Qualität zum gleichen Preis. Langfristig spart er auch Geld und Zeit. Wir werden noch so einige spannende Entwicklungen erleben.

WIE HABEN SIE DIE TEILNEHMER IM HINBLICK AUF BIM ERLEBT?
Ich habe sie als neugierig und offen empfunden! Es hat Spaß gemacht. Viele hatten durchaus konkrete und dringende Fragen, letztlich kann ein solches Seminar aber nur der Anfang für den Einstieg in das Thema sein. Ich verstehe mich in dem Zusammenhang eher als Coach – der keine fertigen Lösungen mitbringt, sondern Eigenständigkeit anregt und Prozesse begleitet.

20.02.2017

Feedback-Interview zum Seminar am 13.01.2017 "Moderation von Besprechungen"

Trainerin: Carmen Kauffmann

Carmen Kauffmann ist seit 1995 selbständige Trainerin und Coach mit Schwerpunkten im Bereich Kommunikation, Rhetorik, Verhandlungstraining, Diplomatie und Frauen in Führung. Frau Kauffmann studierte Rhetorik und Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, mit ihr sprach Insa Lüdtke über ihre Eindrücke zum Seminar „Moderation von Besprechungen“.

FRAU KAUFFMANN, WORUM GEHT FÜR DEN MODERATOR EINER BESPRECHNUNG? 
Letztlich geht es zumeist darum, sich seiner Rolle oder besser gesagt seiner Doppelrolle bewusst zu werden – zum einen als neutraler Moderator und zum anderen als Akteur im Projekt.

Um diese Doppelbelastung ganz praktisch ein wenig zu entschärfen, kann der Moderator das Protokoll live – auf die Wand projiziert – am Rechner in Echtzeit schreiben. So entstehen immer wieder Pausen in der Diskussion und die Gruppe kann sich gleich zu den niedergeschriebenen Vereinbarungen verständigen. Alternativ kann auch ein anderer Teilnehmer aus der Runde das Protokoll übernehmen und so den Moderator in diesem Aspekt ein wenig entlasten.

GIBT ES EINEN AUSWEG, MIT DER HERAUSFORDERUNG DER DOPPELROLLE UMZUGEHEN?
Es ist wohl aussichtslos, diese Rollen miteinander in Einklang bringen zu wollen. Im Gegenteil geht es darum, mit diesem Phänomen authentisch und transparent umzugehen. So kann der Moderator für alle erkennbar immer wieder von der einen in die andere Rolle wechseln. Das kann er verbal lösen, indem er sich in der einen oder in der anderen Rolle zu Wort meldet. Oder er kann dies für alle sichtbar tun, in dem er in der Rolle des Moderators immer aufsteht, um den nächsten Tagesordnungspunkt anzusprechen oder in die Diskussion steuernd einzugreifen – sobald er sich wieder setzt, ist er einer der Projektbeteiligten.

WAS WÄRE NOCH WICHTIG FÜR EINEN GUTEN MODERATOR EINER BESPRECHUNG? 
Die wörtliche Bedeutung von „moderieren“ ist ja „ausgleichen“. So kann es für den Moderator einer Besprechung notwendig sein, einen Konflikt von zwei Teilnehmern als neutraler Part zu besänftigen oder wenigstens zu deeskalieren. Die Aufgabe des Moderators ist es dann, auf der Meta-Ebene die unterschiedlichen Aspekte und Facetten der Positionen transparent zu machen, die Zielorientierung herzustellen und sie zu bitten, einen persönlichen Konflikt gegebenenfalls extern zu klären.

Letztlich geht es für den Moderator darum, dem Zweck der Besprechung Raum zu geben und ein Gespür davon zu bekommen, worum es gerade eigentlich geht – Stichwort „Hidden Agenda“. Wenn es also auf der Beziehungs- oder Statusebene um Machtspiele geht, die mit dem Projekt und der Besprechung nichts zu tun haben. Dass es beim Moderieren um zahlreiche Kompetenzen geht, wurde für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Tag deutlich. Dafür braucht es natürlich mehr Zeit, mit zunehmender Erfahrung – sicherlich einhergehend mit fortschreitendem Alter – wird sie wachsen.

1. Netzwerkabend 2017 am 24.01.2017

BAUEN ODER NICHT BAUEN – IST DAS HIER DIE FRAGE?

OFFEN BLEIBEN FÜR OPTIONEN, BEDARF UND NUTZUNG IM BLICK!

UNTER DEM MOTTO „VERBIETET DAS BAUEN“ STARTETE DIE 360AKADEMIE MIT IHREM 1. NETZWERKABEND INS NEUE JAHR. DER AUTOR DES GLEICHNAMIGEN BUCHES STELLTE SICH IM NACHGANG AKTEUREN AUS DER STUTTGARTER PLANUNGSPRAXIS UND IMMOBILIENWIRTSCHAFT.

In Zeiten angespannter Wohnungsmärkte und dem Aufschrei nach bezahlbarem Wohnraum erscheint es abwegig, ein Bauverbot auszusprechen. Daniel Fuhrhop tut es dennoch und zeigte anhand einiger Beispiele, wie Investitionen für Neubauprojekte an anderer Stelle Leerstand nach sich ziehen können oder Leere durch unbelebte Räume entstehen kann. „Den Potentialen im Bestand wird zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet,“ brachte Fuhrhop seine Kernthese auf den Punkt.

NUTZERBEDÜRFNISSE OFTMALS ZU WENIG BEACHTET

Es werde nicht nur zu viel und an den falschen Stellen und oftmals ohne Kontext etwa eines Quartiersansatzes gebaut, auch die ökologischen Folgen werden nicht ausreichend berücksichtigt. Zudem werde einfach vielfach am Bedarf vorbeigeplant, ohne rechtzeitig die tatsächlichen Nutzerbedürfnisse zu erfassen. Planer und Bauherren schenken auch den Kosten für den Betrieb einer Immobilie am Anfang einer Planung nicht die ausreichende Aufmerksamkeit. Fuhrhop, Betriebswirt und ehemals Architekturbuchverleger, hat insgesamt 50 Werkszeuge, die Neubauten überflüssig machen sollen, im Sinne von Anregungen und Best-Practice-Beispielen zusammengetragen wie zum Beispiel durch Umnutzen, Umbauen, Umziehen bis hin zum Teilen von Räume.

Man könne den Markt nicht ausblenden, warnte Helmuth Caesar, technischer Geschäftsführer SWSG Städtische Wohnungs- und Städtebaugesellschaft Stuttgart. Gerade die kommunale Wohnungswirtschaft verstehe sich als Bestandshalter für den Bestandserhalt. Eine Anpassung sei zudem keinesfalls günstiger als Neubau, oftmals stehe Aufwand und Mehrwert einer Sanierung in keinem Verhältnis. „Dennoch stellen wir uns der Herausforderung von Bestandsanpassungen im bewohnten Zustand.“ Wir sollten uns dennoch fragen, wie wir heute bauen sollen, damit sich unsere Kinder in Zukunft nicht die Frage stellen müssen, das Bauen zu verbieten. Dr. Detlef Kron, Amtsleiter für Stadtplanung und Stadterneuerung Stuttgart, appellierte: „Eigentum verpflichtet, Bauherrn sind gefordert, als Stadt können wir nur den Rahmen vorgeben.“ Dennoch kann die Politik auf gesellschaftlicher Ebene Akzente setzen im Hinblick auf Baukultur. Hier gehe es aber nicht um ein „Entweder Oder“, sondern um ein verträgliches Maß von Neubau und Bestandsentwicklung.

MUT ZUR VERDICHTUNG UND QUALITÄT

Ute Michaelsen, freie Architektin, sprach sich dafür aus, mutiger zu sein im Hinblick auf Verdichtung. „Dabei sollte Bauen keine temporäre, sondern eine langfristige Angelegenheit bleiben“, unterstrich die Mitinhaberin des Stuttgarter Büros MHArchitekten: „Dass Qualität Zeiten überdauert, beweisen uns noch heute Gebäude aus der Gründerzeit.“ Bauen müsse man aber nicht verbieten, „hierzulande vergehen für diesen komplexen Prozess viele Jahre von der Genehmigung, über die Planung bis zur Fertigstellung“, meinte Thomas Kiwitt, Leitender technischer Direktor Verband Region Stuttgart als Träger der Regionalplanung und Standortvorbereitung. „Wer baut, ist sich seiner Verantwortung durchaus bewusst“, betonte Kiwitt. Dennoch bedeute Bauen auch das Vorhalten von Infrastruktur wie etwa Mobilität. Hier gelte es, die gesellschaftlichen Bedürfnisse wie etwa urban und gleichzeitig naturnah zu wohnen mit kurzen Arbeitswegen und einer vielfältigen Nahversorgung in Einklang zu bringen.

FEHLER MACHEN UND AUS FEHLERN LERNEN

Stadt sei seit jeher geprägt vom Wandel - „Leerstand muss dabei nicht per se schlecht sein“, stellte Frank-Peter Unterreiner, Chefredakteur Immobilienbrief Stuttgart, fest. Als Beobachter und zugleich als Sprachrohr der Stuttgarter Immobilienwirtschaft plädierte er dafür, sich beim Planen und Bauen zu erlauben, auch Fehler zu machen und aus diesen Fehlern wieder für die Zukunft zu lernen. Um Fehlentscheidungen von morgen zu vermeiden, erklärte Evmarie Zell, Immobilienfachwirtin und Geschäftsführerin Kubus360 GmbH, sei es heute entscheidend, der Trägheit von Immobilien ein gewisses Maß an Flexibilität schon zu Beginn einzubauen. Für Tragstruktur, Erschließung und Versorgungsleitungen sollte man verschiedene Nutzungszyklen und ihre unterschiedlichen Anforderungen im Vorfeld berücksichtigen. In Zukunft gehe es dann vielleicht gar nicht mehr um die Frage „Bestand oder Neubau“? Stattdessen heißt es, offen für verschiedene Optionen zu bleiben, und vielmehr den Bedarf und die Nutzung im Blick zu haben.